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„Visuelle Geographien“ ist ein Titel, den ich zuerst nicht verstanden habe. Zum Glück ist eine Sache, die ich in meinem Studium immer wieder feststelle, dass man wissenschaftliche Artikel am Anfang nie versteht. Aber manchmal lohnt es sich trotzdem, sie zu lesen- wie in diesem Fall. Der Artikel „Visuelle Geographien – ein Editorial“ von A. Schlottmann und J. Miggelbrink erschien in einer Sonderausgabe der Zeitschrift Social Geographie. In dieser Sonderausgabe wurden verschiedene Beiträge unter dem Thema „Raum-Bild-Gesellschaftsverhältnisse“ veröffentlicht. Wie gesagt, es ist ein wissenschaftlicher Artikel und am Ende wusste ich immer noch nicht so genau, was visuelle Geographien überhaupt sind. Trotzdem hat der Artikel interessante Denkanstöße zum Umgang mit Bildern im Allgemeinen gegeben. Continue reading

Der Traum als Metabild?

„In einem gewissen Sinn kann auch jedes Bild zum Metabild werden, nämlich dann, wenn es als Mittel benutzt wird, um über das Wesen von Bildern zu reflektieren“ (Mitchell 2009: 325).
Jeder von uns hatte bestimmt diesen einen Traum, in dem wir selbst den eigentlichen Traum von außen beobachten oder haben schon einmal geträumt, dass wir von/aus einem anderen Traum aufgewacht sind. Dann wachen wir tatsächlich auf und stellen fest, dass das alles nur ein Traum war.
Im Traum sind wir das Subjekt selbst, das die Bilder, die wir täglich aufnehmen, (wobei einiges davon ins Unterbewusstsein wandert), beim Träumen verarbeitet. Während sich die Verarbeitung von Bildern in den unterschiedlichsten Bildabfolgen visualisiert, da beim Träumen alles möglich ist und wir nicht an physikalische Größen wie die Schwerkraft gebunden sind, fungiert der Traum nicht als Metabild unseres Alltages?
Oder anders gefragt: Wird somit der Traum im Traum oder der Traum an sich nicht zu einem Metabild, wenn wir „über das Wesen von Bildern reflektieren“ (ebd.), wenn auch einiges davon unbewusst passiert?

Literatur
Mitchell, W. J. T. (2009): Vier Grundbegriffe der Bildwissenschaft, in: Sachs-Hombach, Klaus (Hrsg.), Bildtheorien. Anthropologische und kulturelle Grundlagen des Visualistic Turn, Frankfurt am Main, S. 319-327.

Zur Schwierigkeit der bildlichen Übersetzung – Erste Gedanken

Lessing untersucht am Beispiel des Laokoon die Möglichkeit einer Skulptur, eine vorher schriftlich gefasste Erzählung in ein Bild zu übersetzen. Nach Chatman bedeutet dies die Übersetzung der Substanz des Ausdruckes der Laokoonerzählung vom Griechischen in die Bildsprache des antiken Künstlers. Es stellt sich unweigerlich die Frage, inwiefern die Übertragung des Mediums der Wiedergabe den Informationsgehalt der Erzählung beeinflusst – was geht verloren, wie verändert sich das Übrige? Wie muss ein Bild aussehen, das textähnlich „sprechen“ und erzählen kann?

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Story vs. Glaube

In den vergangenen Stunden beschäftigten wir uns mit dem Text „Story and discourse. Narrative structure in fiction and film“ von Seymor Chatman.

Um das Baummodell über Story (Inhalt) und Discourse (Ausdruck) besser erklären zu können, nahmen wir die Weihnachtsgeschichte als Beispiel.

„Substance of content“ definierten wir wie folgt:

– Wie könnte die Story aussehen? Was kann reingenommen werden? Damit werden Events und Existents geformt.

Wie kann ich diesen Punkt im Zusammenhang mit der Weihnachtsgeschichte richtig verstehen und anwenden, da man davon ausgeht, dass alles, was in der Bibel steht, auch wirklich geschah?

Alles meta?

Mitchell erklärt in seinem Aufsatz „Vier Grundbegriffe der Bildwissenschaft“ den Begriff „Metabild“ folgendermaßen: Metabilder „erscheinen, wenn ein image innerhalb eines anderen images erscheint“ (*). Die im nächsten Absatz angeführte Allegorie „Platos Höhlengleichnis“ weist darauf hin, dass wir uns von allem ein Bild machen.

Demnach müsste alles was wir sehen, ein Metabild sein. Will man diese Idee ausführen, sind zuerst zwei Grundlagen festzusetzen:

1. Das übermittelnde Medium ist unser Auge

2. Wir können kein picture sehen, weil wir immer nur Zugang zu dem image des pictures haben. (Das picture, das wir sehen, ist eigentlich nur das image des Gegenstandes. Schließlich nehmen wir unsere Umwelt lediglich über Verarbeitung von Information, sprich Interpretation derselben wahr.)

Wir können uns also, da wir keine Möglichkeit haben uns von unserem Kopf zu trennen, immer nur an subjektive Eindrücke – an Metaphern orientieren. Das würde bedeuten: die Realität ist das eigentliche Bild. Was wir wahrnehmen, ist unser subjektives Bild der Wirklichkeit. Ein Bild vom Bild, ein Metabild?

Meine Frage: Verfälscht diese Ansicht die eigentliche Idee, die Mitchell hatte, oder ist sie einfach eine Konsequenz daraus, dass man immer auf eine noch tiefere Ebene gehen kann?

* Klaus Sachs- Hombach, Bildtheorien – Anthropologische und kulturelle Grundlagen des Visualistic Turn, S. 325.

Das Salz der Erde: Die Geschichte vor der Linse

Das Salz der Erde“ – so lautet der Titel des Dokumentarfilms über den Fotografen Sebastião Salgado von dessen Sohn und Wim Wenders. Angesichts der Motive des Fotografen verliert man aber schnell den Glauben daran, dass die Menschen das Salz der Erde seien. Auch Salgado selbst sei schier an der Menschheit verzweifelt, nachdem er Minenarbeiter in Südamerika, Hungernde in Äthiopien, Flüchtlinge in Ruanda und Jugoslawien begleitete und fotografierte. Das Bildwort scheint hingegen auf die analoge Fotografie zuzutreffen, bei der erst die Belichtung wild verstreuter Silbersalze ein Bild erzeugt. Als Verfechter der sozialkritischen Fotografie wendet sich Salgado auch jenen Salzkörnern zu, die nicht jeder auf dem Schirm hat. Aufgenommen in hochkontrastigem Schwarz-Weiß, ähnlich des Chiaroscuros, wirken Salgados Bilder dramatisch ästhetisch, was im Gegensatz zu deren Inhalt steht – Marshall McLuhans geflügeltes Wort (1), wonach das Medium die Botschaft sei, scheint aber noch nicht ausreichend, um dieses Phänomen zu beschreiben, denn gerade die Dissonanz zwischen abgelichteter Schönheit und beinhalteter Wahrheit macht die Fotografien sowohl einprägsam als auch einfühlsam – und gerade auf der Kinoleinwand wird deutlich, wie aus einem materiellen „picture“ dessen identifizierendes und zugleich transzendierendes „image“ (2) erscheinen kann: „Das Medium ist nicht einfach die Botschaft; vielmehr bewahrt sich an der Spur die Botschaft des Mediums.“ (3). So wurden die Bilder des Fotografen berühmter als sein eigener Name. Salgado porträtiert nicht nur die Menschheit, er schaut den Menschen ins Gesicht und findet erst dann deren Geschichte vor der Linse, wenn er sich über Wochen mit ihnen auseinandergesetzt hat. Aber was passiert, wenn man den Fotografen selbst filmisch porträtiert? Wie kann ein Medium dabei Strukturen aus einem anderen Medium aufgreifen?

Wirr verteilte Salzkörner – Schwarz-Weiß-Aufnahme der Goldschürfer (A) FOTO: SEBASTIAO SALGADO/AMAZONAS IMAGES
Wirr verteilte Salzkörner – Schwarz-Weiß-Aufnahme der Goldschürfer aus Serra Pelada (A) FOTO: SEBASTIAO SALGADO/AMAZONAS IMAGES

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Kategorisierende Bilder: Wie ordnen sich Bewerber zu? Analyse von zwei Karriereseiten

Bilder erreichen uns heutzutage einfacherer als Worte. Durch bunte Abbildungen wird unser Interesse geweckt und erst, wenn uns das Bild anspricht, beginnen wir auch den Text zu lesen. Wir befinden uns in einer Welt, die gerade so von Fotos überflutet wird. Auch Unternehmen setzen auf ihren Karriereseiten im Internet immer mehr auf bunte Abbildungen, die potenzielle Bewerber ansprechen sollen. Dabei wird auch der pictorial turn, wie er von William John Thomas Mitchell beschrieben wird, sichtbar. Die Dominanz von Bildern wird immer stärker. Es vollzieht sich ein Wandel von Schrift beziehungsweise vom Wort zum Bild – unsere Welt wird nicht mehr beschrieben, sondern visualisiert. Bevor die eigentliche Stellenanzeige zu sehen lesen ist, muss sich der Bewerber erstmal verschiedenen Kategorien zuordnen. Diese werden durch Bilder dargestellt.

Überblick Karriereseite Daimler (www.daimler.com/karriere)
Überblick Karriereseite Daimler (Screenshot, www.daimler.com/karriere, Stand: 09.11.14)

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Apps und ihre Symbole: Der Pictorial Turn Hand in Hand mit der technologischen Entwicklung vom einfachen Mobiltelefon zum Smartphone?

Ich gehöre zu den Menschen, die sich des Lesens wissenschaftlicher Texte auf Papier entledigt haben und die Lektüre auf einem Tablet-PC vornehmen. Auch den Text „Vier Grundbegriffe der Bildwissenschaft“ von W. J. T. Mitchell studierte ich auf meinem Tablet. Mit diesem Stück moderner Technologie in den Händen stieß ich auf den Begriff des pictorial turn. Der pictural turn ist laut W. J. T. Mitchell „gewöhnlich einer [also eine Wechsel] von Worten zu Bildern“.

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Das Bild dominiert bei den Icons im Hauptmenü eines modernen Smartphones  klar über die Schrift

Unweigerlich drückte ich den Homebutton meines Gerätes und öffnete das Hauptmenü. Wie gehabt öffnete sich ein Interface, das eine Vielzahl an kleinen ikonischen Bildern beherbergt – Jedes steht für ein Programm oder eine Funktion (Apps). Dass die Icons eine kleine Unterschrift haben wird dabei fast übersehen. Allein in Größe und Farbe stellt das Bild seine kleine schriftliche Benennung in den Schatten. Bei mordernen Mobiltelefonen (Smartphones) sieht das nicht anders aus.

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Bei einem alten Mobiltelefon dominiert die Schrift über das Bild.

Ich erinnerte mich unweigerlich an mein erstes Mobiltelefon zurück, ein uraltes Modell ohne Touchscreen, polyphonen Klingeltönen und einem Display ohne Farbe. Bei diesem Modell war die Schrift dominant. Zwar gab es durchaus schon kleine ikonische Zeichen zweifelsohne dominierte aber die Schrift. Das Hauptmenü bestand hauptsächlich aus einer Liste an Worten. Mit jedem neueren Modell, das ich seither benutzt habe änderte sich das. Mit dem Farbdisplay und Bildschirmen mit höhere Auflösung wurde es mehr und mehr möglich, immer komplexere und detaillierter Bilder auf Mobiltelefonen darzustellen. Nach und nach führten die neuen technischen Möglichkeiten moderner Mobiltelefone zu einer Dominanz des Bildes über die Schrift.

Wenn man hierbei die nötige Weiterentwicklung des Displays bedenkt stellt sich unweigerlich die Frage, ob ein solcher technologischer Fortschritt durch eine Vielzahl neuer Möglichkeiten automatisch einen pictorial turn auslöst? Gibt es gar andere Beispiele, bei denen der rein technische Fortschritt einen pictorial turn ausgelöst hat?