Ein zentraler Konflikt und erzählerisches Potential – Grand Theft Auto V

Als das Videospiel Grand Theft Auto V (in der Folge GTA V) auf den Markt kam, sorgte es weltweit für Furore. Es ist nicht, wie es der Name suggerieren könnte etwa der fünfte Teil der Serie, sondern der insgesamt 15. Teil des Franchise. Drei Tage nach der Veröffentlichung hatte das Spiel bereits einen Umsatz von über einer Milliarde Dollar eingespielt und somit jegliche Rekorde gebrochen. Doch nicht nur diese rekordverdächtigen Zahlen, die die Frage aufwerfen, was GTA V derart beliebt macht, machen das Videospiel für eine Medienanalyse interessant.

Zum einen wird GTA V von allen Seiten für seine expliziten Gewaltdarstellungen und teils sexistischen und obszönen Inhalten kritisiert. Mit der Begründung in GTA V werde Gewalt an Frauen porträtiert nahm der australische Videospielhändler Target beispielsweise das Spiel vor kurzem aus seinem Sortiment. Kurz darauf folgte ein weiterer Händler namens Kmart das Beispiel Targets und beschloss einen Verkaufstop.

Während jedoch in anderen Künsten ähnliche Inhalte toleriert und akzeptiert werden, sind sie in Computerspielen nach wie vor für die Gesellschaft ein rotes Tuch (man erinnere sich nur an die Killerspieldiskussion vor wenigen Jahren). Entgegen meiner eigenen Meinung werden Videospiele in Deutschland offiziell nicht als Kunst angesehen. Dass die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) Anfang des Jahres ihre Leitkriterien überarbeitete und dem Videospiel zumindest Merkmale einer Kunstform in der zeitgenössischen Unterhaltung erhalten ist lediglich ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Vor dem Hintergrund der Paragone möchte ich bei meiner Analyse untersuchen, welchen Regeln sich Computerspiele beugen müssen, die für andere Kunstformen nicht gelten.

Ein weiterer interessanter Punkt ist die Art und Weise, wie GTA V seine Geschichte erzählt. Das Spiel hat vor allem im Vergleich zu seinen Vorgängern die Besonderheit, dass der Spieler drei Charakter spielt, anstelle eines einzelnen. Jeder der drei Charaktere hat eine eigene Spezialfähigkeit (etwa die Möglichkeit, bei einer Verfolgungsjagd für einen kurzen Moment in Zeitlupe zu spielen) und andere Fähigkeiten (z.B. Ausdauer, Schießen, Fahren etc.)

Zum einen erlebt er die Geschichte aus drei Perspektiven, die z.T. automatisch wechseln, je nachdem welche der drei Figuren im Verlauf der Geschichte im Mittelpunkt steht. Des Weiteren hat der Spieler aktiv die Möglichkeit, zwischen den Charakteren zu wechseln. Somit ist es möglich, die gleiche Geschichte (histoire) durch ein anderes Vorgehen aufgrund der Spezialfähigkeit anders zu erleben (discours). Dass das Spiel mit seiner Adaption auf Playstation 4, Xbox One und PC dem Spieler seit neuestem einen Persepktivwechsel von Third-Person- auf Egoperspektive ermöglicht ist ein weiterer Punkt, der hinsichtlich der Erzählung interessant ist.

An manchen Passagen hat der Spieler zudem die Möglichkeit, den weiteren Vorgang der Erzählung aktiv zu bestimmen. Hierbei werden dem Spieler zwei unterschiedliche Optionen gezeigt, aus denen er eine auswählen kann. Die Grundstruktur der Geschichte bleibt zwar  die gleiche –  es handelt sich dabei stets um das Vorgehen bei einer nachfolgenden Mission – doch der Spieler hat trotzdem die Möglichkeit, aktiv in die Erzählung einzugreifen.

Gerade im nicht-englischsprachigen Raum ist das Verhältnis von Bild und Schriftlichkeit in der Rolle der Erzählung relevant. Der englische Originalton wurde beibehalten, deutsche Untertitel beugen Verständnisprobleme vor. Gerade für Spieler mit wenig Englischkenntnissen birgt das aber oft einige Probleme: Viele finden Dialoge nicht in Zwischensequenzen, sondern während aktiver Spielzeit (etwa bei Autofahrten, bei denen der Spieler das Vehikel aktiv steuern muss) statt. Fehlen die Englischkenntnisse geht der (oft nicht unerhebliche) Inhalte dieser Dialoge für den Spieler unwiederbringlich verloren.

Abgesehen davon ist GTA V im Großen und Ganzen das beste Videospiel, das je den Weg in meine Konsole gefunden hat. Ich hoffe im weiteren Verlauf meiner Untersuchung vor allem im Hinblick auf die Art und Weise, wie dieses Spiel erzählt weitere Feinheiten und Details zu entdecken, die mir bei erstmaligem Durchspielen entgangen sind.

Links:

http://www.gamesaktuell.de/GTA-5-Grand-Theft-Auto-5-PS4-258891/News/Wegen-Gewalt-an-Frauen-Haendler-nimmt-Spiel-aus-Sortiment-1144630/

http://www.gamesaktuell.de/GTA-5-Grand-Theft-Auto-5-PS4-258891/News/Weiterer-Haendler-zieht-Spiel-zum-Bedauern-von-Take-Two-aus-dem-Verkehr-1144698/

http://spielerecht.de/usk-computerspiele-sind-kunst/

1 Response

  1. Ich denke, das Computerspiele gerade das gleiche Aufnahmeritual über sich ergehen lassen müssen, wie viele andere neue Medien der Geschichte. Buchdruck war mal Werk des Teufels, Fotoapparate konnten dir die Seele wegknipsen usw.

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