Dri Chinisin: Eine intermediale Erzählinstanz ?

Zwei Schritte zurück, einen Ausfalls Schritt nach vorne, komme ich nun zur Formulierung einer These bzw. Fragestellung, die meine Medienanalyse (hoffentlich) anleiten wird.

Inwiefern bildet in der grafischen Erzählung die durch die intermediale Übertragung weggefallene Erzählinstanz der literarischen Vorlage eine Leerstelle, bzw. gibt es Elemente der grafischen Darstellung, die eine gedachte narrative „Autorität“ implizieren – oder konstituiert sich die medienspezifische Erzählweise gerade durch diese Lücke und somit einer Verlagerung des „Expliziten“?

Grundlegend ist eine intermediale Beziehung (Rajewski) zur Erzählung Brigitte Kronauers. Es kann hier von einer solchen ausgegangen werden, da der Medienkontakt während der Produktion bestand und auch die historische Verortung beider Medien eindeutig ist (immerhin befindet sich ein Hinweis auf den Ursprung des Inhalts auf dem Buchdeckel.) Dies bedeutet aber nicht, dass die Narration (als Diskurs) im Comic Dri Chinisin nicht als transmediales Phänomen eingestuft werden kann.

Um der formulierten Fragestellung gerecht zu werden, möchte ich mich in meiner Analyse auf die jeweilige Sicht- bzw. Sagbarkeit der grafischen Elemente (zu der ich auch die Schrift zähle) nach Rancière beziehen. Unter „sagbar“ verstehe ich diejenigen Phänomene, die mithilfe von Begriffen aus der sprachwissenschaftlichen Narratologie in der Comic Analyse erfasst werden können, und die somit als „explizit und eindeutig“ gelten, also auch die Instanz des Erzählers. Auch „Sichtbarkeit“ ist demzufolge keine Kategorie, die sich rein auf bildliche Darstellung beschränkt, dennoch haftet ihr der Makel vermeintlich fehlender „Verlässlichkeit“ an. Bilder, die täuschen und manipulieren, implizieren, anstatt eine ratifizierbare Aussage zu machen. Das Regime, wonach vorerst bloß „sichtbare“ Elemente rezipiert werden, ist also ein anderes. Aber muss das „Bildliche“ immer erst den Umweg über die diskursive Instanz der Sprache machen, um explizit auszusagen? Wie kann also die Sichtbarmachung einer Erzählinstanz aussehen? Und wenn eine solche nicht existiert bzw. sich für die Rezeption als irrelevant herausstellen sollte, in welchen „Lücken im Text“ (oder im Inhalt) verbergen sich im Sinne eines kognitivistisch angelegten Erzählbegriffs „prägnante Augenblicke“, auf die eine comicspezifische narrative Struktur aufbaut?

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