Zeit und Erinnerung im Film „Memento“: Die Figurenkonstellation

Der Film präsentiert dem Zuschauer eine Reihe von Figuren, deren Konstellation zueinander hier kurz umschrieben werden soll.

Der Protagonist ist Leonard Shelby, ein Versicherungsfahnder (gespielt von Guy Pierce), der seit dem Überfall auf sein Haus und dem Mord an seiner Frau an Gedächtnisverlust leidet. Sein einziges Ziel ist es den Mörder seiner Frau zu finden und umzubringen, angeblich einen Mann namens John G., der neben einem weiteren Mann, den Leonard noch überwältigen und töten konnte, in das Haus eingedrungen war. Getrieben von diesem Rachegedanken trifft er auf einige Figuren, die für ihn bei jedem Wiedersehen erneut als Fremde erscheinen und er seine Position ihnen gegenüber immer anhand seiner Notizen überprüfen muss. Dadurch werden die Beziehungen zu den anderen Figuren immer wieder aufs Neue konstituiert.
Leonards Frau taucht immer wieder in kurzen Sequenzen auf, in Erinnerungen, die aus der Zeit vor dem Überfall stammen. Diese Bilder in Farbe gehalten durchbrechen dabei auch die schwarz-weiß Bilder.

Teddy ist ein Polizist, der Leonard bei der Suche nach dem Mörder unterstützt. Im Laufe der Geschichte zeigt sich jedoch seine wahre Intention, Leonard zu manipulieren. Er suggeriert ihm, der Mörder sei der Drogendealer Jimmy Grantz. Dabei will Teddy in Wirklichkeit das Geld, das Grantz mit sich zu einem Drogendeal mitbringt, für sich einstecken. Schließlich wird nach der Ermordung von Grantz durch Leonrad, dieser von Teddy mit der Wirklichkeit konfrontiert, dass seine Frau bei dem Überfall gar nicht ums Leben gekommen ist.

Hierzu wird im Film auf eine Erzählung innerhalb der Erzählung gegriffen: Leonard erzählt einem Anrufer am Telefon, der sich als Teddy herausstellt, die Geschichte von Sammy Jankis. Dieser litt ebenfalls an einer anterograder Amnesie, doch Leonard, der mit seinem Fall betraut wurde, glaubte, Sammy sei ein Betrüger gewesen. Jankis Frau, die mit der Situation nicht zurechtkam, ließ sich von Sammy eine Überdosis Insulin spritzen, in der Hoffnung dieser würde ihr gegenüber die Maske fallen lassen, was jedoch zu ihrem Tod führte, und der Einweisung Sammys in ein Heim. Diese metadiegetische Erzählung entpuppt sich als ein Versuch Leonards seine Vergangenheit auf Sammy zu übertragen. Denn in Wirklichkeit war es Leonard selbst, der seine Frau durch die Überdosis Insulin umgebracht hatte. Diese Erkenntnis nötigt Leonard, sich ein neues Lebensziel zu schaffen. Indem er seine Notizen und Polaroidfotos selbst manipuliert und zensiert, verändert er seine Wirklichkeit insofern, dass er zu dem Schluss gelangen muss, der Mörder seiner Frau sei Teddy.
Im Laufe seiner Suche nach dem Mörder begegnet Leonard Natalie, der Freundin von Grantz, die von Grantz Geschäftspartner Dodd des Mordes an Grantz bezichtigt wird. Außerdem beschuldigt er sie, das Geld gestohlen zu haben, das er Grantz für den Drogendeal gegeben hatte, das Geld, das auch Teddy für sich will. Auch Natalie manipuliert Leonard,und bringt ihn dazu, Dodd umzubringen. Gleichzeitig hilf sie Leonard bei der Suche nach dem Mörder, indem sie ihm die Identität des Fahrers offenbart, dessen Autokennzeichen sich Leonard eintätowiert hatte. Diese hatte er sich in seiner Verzweiflung über die wirklichen Geschehnisse und nun getrieben von dem Wunsch sich an Teddy zu rächen von Teddys Auto abgeschrieben.

Die Beziehungen der Figuren untereinander beruhen auf einer ständigen Manipulation. Aus der Perspektive Leonards erscheint keine Figur vertrauenswürdig. Auch dem Zuschauer wird bald klar, dass jeder einen eigenen Plan verfolgt. Das wirkt sich auf die gesamte Erzählstruktur aus, die den Zuschauer völlig orientierungslos belässt, bis zur letzten Schlussszene.

1 Response

  1. Das hört sich sehr spannend an.
    Ich freu mich schon auf die kommenden Beiträge und ob sich in den einzelnen Sequenzen Parallelen im Hinblick auf erzählerische Unzuverlässigkeit erkennen lassen!
    …Und natürlich ob und wie in der Schlussszene die Unzuverlässigkeit aufgedeckt wird (:

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