Her Morning Elegance : eine spielerisch leichte Medienkombination?

Das Musikvideo von Oren Lavie suggeriert eine gewisse Leichtigkeit. Die Protagonistin scheint über die Straße zu schweben, durch Wolken zu fliegen und im tiefsten Meer unterzutauchen. Durch den sanften Klang der Musik und die inszenierte und durchdachte Bildreihenfolge vermittelt das gesamte Musikvideo eine spielerisch leichte Atmosphäre. Diese entsteht vor allem durch das Zusammenwirken von Bild und Ton. Deshalb wird sich der folgende Beitrag mit der Kombination der verwendeten Medien beschäftigen. Gibt es auch hier eine fließende und leichte Kombination der verschiedenen Formen?

Hell - Dunkel: Eine klare Trennung zwischen Ton und Bild? Her Morning Elegance #1405: http://www.hmegallery.com/photos.php, Stand: 08.01.15
Hell – Dunkel: Eine klare Trennung zwischen Ton und Bild?
Her Morning Elegance #1405: http://www.hmegallery.com/photos.php, Stand: 08.01.15

Im Vordergrund meines Analysebeispiels stehen zwei verschiedene Medienformen: Zum einen die Musik und zum anderen die Bilder. Nach Irina Rajewsky betrachten wir hier ein intermediales Phänomen. Intermedialität definiert sie als „Addition mindestens zweier, konventionell als distinktiv wahrgenommener medialer Systeme“ (Irina Rajewsky (2002): S. 15). Wir hören zum einen die Musik hören und sehen zum anderen die Bildreihenfolge und können diese beide Medienformen getrennt voneinander wahrnehmen. Jedoch sind beide Medien miteinander verknüpft und für das Endprodukt eines Musikvideos untrennbar voneinander. Die Leichtigkeit kann nur durch diese Verbindung von Musik und Bild entstehen. Die plurimediale Struktur ist in ihrer eigenen Materialität präsent und trägt durch ihre spezifische Eigenschaften zur Bedeutungskonstitution des gesamtwahrgenommenen Mediums bei. (vgl.: Iran Rajewsky (2002): S. 15)
Beide Mediengattungen können auch alleine vorhanden sein. Betrachtet man jedoch nur das Video ohne Ton, so fällt ein Teil der Atmosphäre weg, die durch die Musik erzeugt wird.
Was mir bei dieser Einteilung etwas schwerfällt, ist jedoch die Frage danach, was ich an visuellen Medien betrachten soll. Wir nehmen zwar eine fließende Bewegung und dadurch eine Filmsequenz wahr, haben aber de facto nur Fotos vorliegen, die an sich statisch sind. Durch die Form des Stop Motion Films haben wir einen Wandel bei der Wahrnehmung des Rezipienten. Dieser nimmt nicht die einzelnen Fotos wahr, sondern einen stimmigen und bewegten Film. Könnte dies eine Form der Transmedialität, also ein „medienunspezifisches Phänomen, dass sich über die Mediengrenzen hinaus manifestiert“ (Irina Rajewsky (2002): S. 13) sein? Oder ist das eine Art der media blindness nach Marshall McLuhan? Oder haben wir hier ein kognitives Problem und können durch die schnelle Abfolge die Fotos nicht als einzelne Medien wahrnehmen? 

Literatur:
Rajewsky, Irina: Intermedialität. Tübingen und Basel: Francke 2002

 

6 Responses

  1. Danke für diesen Beitrag.

    Sie beschreiben die Kombination von Bild und Ton als intermedial im Sinne Rajewskys; würden Sie sagen, dass diese Teile konventionell als distinkt wahrgenommen werden?

    Noch nicht verstanden habe ich den letzten Teil Ihres Posts. Inwiefern handelt es sich bei Stop Motion um ein medienunspezifisches Phänomen oder um media blindness?

  2. Ich finde schon, dass man beide Medienformen Bild und Ton distinktiv wahrnehmen kann. Bei einem Musikvideo stehen beide Gattungen in einer sehr engen Beziehung zueinander. Bei der ersten Betrachtung meines Beispiels habe ich mich primär auf die Bildebene fokussiert. Durch weitere Analysen rückte der Ton für mich immer mehr in den Vordergrund. Meiner Meinung nach, kann man Bild und Ton konventionell als zwei unterschiedliche Medien wahrnehmen. Oftmals sind beide aber nicht voneinander trennbar. Also das Bild funktioniert nur im Zusammenhang mit Ton, Ton nur mit Bild.

    Bei der genaueren Analyse meines Beispiels stoße ich immer wieder auf das Problem, was ich genau betrachten soll: Sind es die einzelnen Fotos, oder die Bewegung des gesamten Films. Meiner Meinung nach kann man die einzelnen Bilder gar nicht wahrnehmen, sondern sieht nur einen Film mit einer fast fließenden Bewegung. Natürlich fällt dem Rezipienten auf, dass es sich um eine montierte Bildreihenfolge aus Einzelbildern handelt, aber meiner Meinung nach, sehe ich bei meinem Analysebeispiel keine 3000 statischen Bilder, sondern einen Film. Da kam bei mir die Frage auf, ob das vielleicht eine Form der media blindness sein könnte. Wir sehen nicht das Trägermedium Foto, sondern eine Bewegung die in Folger der Aneinanderreihung dieser Fotos entstanden ist. oder kann das Phänomen der media blindness nur auf die technische Trägermedien wie TV oder Computer übertragen werden?

  3. Ah! Ok, das mit der media blindness habe ich jetzt kapiert — und verstehe so einen Aspekt des Clips viel besser, danke.

    Was Sie über die potentielle Trennbarkeit von Bild und Ton im Video sagen, leuchtet zwar auch ein; aber ich glaube, Rajewsky meint wirklich konventionell als verschieden definierte Medien. Die Kombination vom Bild und Ton im Film ist gerade eines ihrer Beispiele für Medien, die jetzt konventionell nicht mehr distinguiert werden. Ist die Verbindung beider im Musikclip wirklich loser?

  4. Wahrscheinlich ist die Verbindung von Bild und Ton im Musikvideo nicht anders als im Film. Was ich aber gerne hervorgehoben hätte, ist mein Gedanke, dass jedoch eine Form dominanter wahrnehmbar als die andere. Man sollte meinen, dass die Musik in diesem Genre das wichtigere Medium sei, in meinem Beispiel aber, finde ich, dass die Bilder die Musik in den Hintergrund rücken lassen.
    Beide Medienformen ergänzen sich aber und sind dann wahrscheinlich nicht mehr distinktiv wahrnehmbar.

  5. Das ist eine spannende Frage. Wie machen wir ‚Dominanz“ in diesem Sinne entscheidbar? Was muss genau vorliegen, damit eine Modalität dominanter ist als die andere?

    1. Leider habe ich ihre Anmerkungen erst jetzt gelesen. Ich hätte die Dominanz daran ausgemacht, dass das Medium dominiert, welches dem Rezipienten präsenter ist und welches vordergründlich wahrgenommen wird. Beim ersten Betrachten des Musikvideos waren für mich die Bilder wichtiger und präsenter. Im Laufe meiner Analyse konnte ich aber eine deutliche Verknüpfung zwischen Bild und Ton analysieren. Ohne Ton hätten die Bilder zwar ihre eigene Geschichte, würden aber an Aussagekraft verlieren. Sieht man das Video jedoch nur ein einziges Mal bleiben dem Betrachter wahrscheinlich nur die Bilder in Erinnerung und nicht unbedingt die Musik.
      Ich könnte mir auch vorstellen, dass wir in unserem Kulturkreis sehr stark auf visuelle Reize reagieren und deshalb generell erstmal Bilder und vor allem bewegte Bilder wahrnehmen.

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