Mehr als nur ein Eingabegerät – Neue Controller-Funktionen der PS4-Version von GTA V

Wie sich Spielmechaniken in der Software von Videospielen schnellen Schrittes weiterentwickelt haben, so hat sich im Verlauf der Jahre auch Einiges bei der Hardware getan. Doch nicht nur die Spielekonsolen selbst wurden schneller und leistungsfähiger, auch die Controller wurden stets weiterentwickelt. GTA V bedient sich als eines der ersten Spiele aller neuer Funktionen, die der DualShock-4, der serienmäßige Controller der Playstation 4, zu bieten hat.

Als Controller bezeichnet man alle Eingabegeräte, mit denen ein Videospiel bedient werden kann. Das impliziert neben dem klassischen Gamepad auch Tastatur und Maus oder andere Geräte wie Lightguns. Relevant für meine Betrachtung der Controllerfunktionen bei GTA V ist allerdings lediglich das handelsübliche Playstation4-Gamepad. Der Controller ist vielleicht das zentralste Element des Mediums Videospiel. Er bildet nichts Geringeres, als das Bindeglied zwischen realer und virtueller Welt. Bewegungen, die der Spieler in der realen Welt macht werden durch ihn in Echtzeit in die virtuelle Welt übertragen. Durch ihn besteht die Möglichkeit des Eingriffs in die virtuelle Welt. Daher ist er sinnbildlich für den interaktiven Charakter, der das Videospiel als Medium von den anderen nicht-interaktiven Bildmedien abhebt.

Bereits mit dem DualShock-1, dem handelsüblichen Gamepad der ersten Playstation aus dem Jahre 1997, hatte der Controller eine Vibrationsfunktion (Daher auch der Name DualSHOCK). So konnten beispielsweise Erschütterungen, die in der virtuellen Welt passierten, in den realen Raum übertragen werden. Aus der einseitigen Beziehung von Controller und Videospiel wurde (wenn auch nur in geringem Maße) eine Wechselbeziehung. Einflüsse passierten nicht mehr nur von der realen in die virtuelle Welt. Dinge, die in der virtuellen Welt passierten hatten neuerdings auch Einwirkungen auf die reale Welt.

Der DualShock-4
Der DualShock-4

Seit 1997 hat sich einiges getan: Der DualShock-4 verfügt über Lautsprecher, eine in verschiedenen Farben leuchtende Fläche an der Hinterseite und einem Touchpad (welches allerdings in nur wenigen Spielen bislang Anwendung gefunden hat). Die Entwickler von GTA V haben mit der Umsetzung des Spiels auf die Playstation 4 versucht, alle neuen technischen Möglichkeiten, die der neue Controller bietet, in das Spiel zu integrieren. Es sind häufig nur Kleinigkeiten. Doch diese Kleinigkeiten verschaffen dem Controller bei der Vermittlung von akustischen und visuellen Reizen beim Spielen eine neue Rolle.

Eine dieser Kleinigkeiten ist das Spiel mit dem Lichtbalken auf der Rückseite des Controllers. Jedem der drei Charaktere ist eine eigene Farbe zugeordnet (Franklin ist grün, Michael blau und Trevor gelb). Je nachdem, welche der drei Figuren der Spieler gerade spielt, leuchtet der Controller in der entsprechenden Farbe – dies aber nur am Rande. Wichtiger ist die Farbwahl bei Verfolgungsjagden mit der Polizei. Wird der Avatar von der Polizei gesucht, fängt die Minimap am unteren linken Rand des Bildes an, wie ein amerikanisches Blaulicht abwechselnd rot und blau zu blinken. Gleichzeitig fängt auch der Lichtbalken am Controller an, rhythmisch rot und blau zu leuchten. Eine solche Verfolgungsjagd wird (vor allem, wenn man in einem dunklen Raum spielt) zu einem intensiven Erlebnis. Die Sirenen dröhnen aus den Lautsprechern des Fernsehens, nicht nur auf dem Bildschirm, auch im Wohnzimmer scheint man von Blaulicht und Polizei umgeben zu sein. Der Controller wird zusätzlich zu den Bildern auf dem Monitor zum Übermittler von visuellen Reizen.

Auch die Lautsprecher des Gamepads werden in GTA V sinnvoll verwendet. In GTA V hat jeder Charakter ein Handy. Alle Geräusche, die im Spiel vom virtuellen Mobiltelefon ausgehen kommen nicht etwa aus den Bildschirmlautsprechern, sondern aus den Lautsprechern des Controllers. Selbst in einem Telefonat ertönen die Antworten des Gesprächspartners aus den Gamepadlautsprechern. Fährt der Avatar in einem Polizeiwagen oder wird von den Gesetzeshütern verfolgt ist aus den Lautsprechern des Controllers der Polizeifunk zu vernehmen. Der Controller ist also nicht nur bloßes Eingabegerät, sondern ebenfalls Lieferant wichtiger akustischer Informationen.

Verändert sich also dadurch das Dispositiv der Reizvermittlung bei Videospielen? Bisher waren beim Spielen mit Spielekonsolen Monitore und die darin integrierten Lautsprechern die Vermittler von akustischen und visuellen Reizen, die aus den Geschehnissen in der virtuellen Welt resultieren. Der Controller gehörte diesem Dispositiv nicht an, er hatte keinerlei vermittelnde Funktion von visuellen und akustischen Reizen sondern war lediglich Eingabegerät. Durch eben jene neue Funktionen erhält der Controller eine vermittelnde Funktion von akustischen und visuellen Reizen und müsste demnach in das Dispositiv der Vermittlung dieser Reize beim Videospiel aufgenommen werden.

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