How Small is an Atom? – Zusammenfassung

„Wie ist die Beziehung der bildnerischen und sprachlichen Elemente zueinander in dem TED-Ed? Trägt die Kombination zu einem besseren Verständnis bei, oder wird der Rezipient ungewollt von einer eigenen Interpretation weggeführt?“

Das war die Fragestellung, die ich mir zu Beginn des Projekts überlegt hatte. Mittlerweile hat sie sich verändert, da die Sprache-Bild-Kombination der „richtigen“ Interpretation dient und das Publikum von einer eigenen, eventuell nicht ganz so „richtigen“ Interpretation abhält. Als Zuschauer wird man somit gelenkt – je nachdem wie reflektiert man das Medium nutzt, wird einem auch klar, dass man gelenkt wird – das ist aber genau das, was ein Erklärvideo an Ansprüchen erfüllen sollte. Es sollte ein komplexes Thema verständlich erklären und zum schnelleren und eindeutigen Verständnis illustrierend bebildern.

Die Frage der Interpretationsfreiheit werde ich trotz allem in meiner Medienanalyse berücksichtigen. Meine Hauptfrage lautet nun aber: „Wie ist die Beziehung der bildnerischen und sprachlichen Elemente zueinander? Durch welche Mittel kommt es zu einem besseren Verständnis des Sachverhalts?“

Um festzuhalten, wie viel Information auf Bild- und wie viel auf Sprachebene übermittelt wird, lohnt es sich, das Video in story und discourse nach Chatman einzuteilen; und weiter in substance und form of expression sowie in substance und form of content. Hierbei müssen substance und form of expression, also der discourse noch einmal voneinander getrennt werden, nämlich in Bild und Sprache.

Diese Trennung soll deutlich machen, dass Bild und Sprache in einer besonderen Beziehung zueinander stehen. Sie sollen beide das selbe aussagen, zum eindeutigen Aus-sagen ist allerdings nur die Sprache fähig. Die Bilder sind demnach der Sprache untergeordnet und illustrieren. Ich würde diese Kombination als „Mittel für ein besseres Verständnis“ bezeichnen.

Die Frage nach der Einschränkung der Interpretationsfreiheit ist Ansichtssache. Wie bereits gesagt, werden die Rezipienten durch die Kombination gelenkt und auch von einer völlig falschen Fährte abgelenkt. Trotzdem haben sie die Möglichkeit, weiterzudenken und andere Vergleiche anzuwenden. Und schließlich weiß jeder, dass die Grapefruit, die im Video gezeigt wird, nur ein animiertes Abbild einer Grapefruit ist und dass eine reale Grapefruit etwas anders aussieht. Da die meisten und eindeutigsten Informationen aus dem Vortrag stammen und da der Vortrag, bzw. der Text vor der dazugehörigen Animation entstanden ist, gehe ich vom gesprochenen Text als Primärvideo aus. Damit ist die Freiheit der Interpretation tatsächlich nur minimal eingeschränkt, da die gezeigten Objekte doch eine gewisse Ähnlichkeit mit den Objekten haben, die durch die Sprache genannt werden.

Begriff; Signifikat; das Wort "Grapefruit"
Begriff; Signifikant; das Wort „Grapefruit“

Ich wollte diesen Aspekt noch einmal hervorheben, weil es eben nicht die Hauptaufgabe des Videos ist, Formen und Farben zu zeigen, die nur ästhetisch sein sollen oder deren versteckte Aussage man durch eine eingehende Bildbetrachtung erahnen kann. Die Aufgabe der Zuschauer ist es also nicht, aus dem bloßen Bild heraus eine Grapefruit zu erkennen. Die Aufgabe ist es, so schnell wie möglich ein Bild einer solchen im Kopf zu haben und dafür ist die Illustration ideal und nicht (bzw. wenig) einschränkend.

Eine solche Bezeichnung animierter Objekte durch Sprache nennt Barthes in seinem Aufsatz „Rhetorik des Bildes“ Verankerung. Die animierte Grapefruit verankert das korrekte Bild mit dem Begriff „Grapefruit“. Bei Barthes ist diese Ankerfunktion umkehrbar: der Signifikant „Grapefruit“ wird mit dem passenden Bild, also einem Bild des Signifikats/einer Grapefruit verankert.

Ab-Bild des Signifikants "Grapefruit"
Ab-Bild des Signifikats „Grapefruit“

Diese gegenseitige Verankerung erscheint mir in diesem Video besonders wichtig, weil die Bilder einprägsam sind und wir sie sehr schnell aufnehmen. Durch die Benennung der einzelnen Objekte wird unserem Gehirn die Aufgabe der Identifikation abgenommen und es kann sich schneller auf eine tiefergehende Informationsverarbeitung einlassen. Es geht jetzt nicht mehr darum, die gesprochenen Signifikanten den illustrierenden Bildern der Signifikate zuzuordnen, sondern darum,  die Signifikanten in Beziehung zueinander zu setzen.

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