Black Hole #9: Abschluss oder Neubeginn?

Nachdem ich in den Blogbeiträgen des vergangenen Semesters versucht habe, dem Comic Black Hole aus möglichst vielen verschiedenen Blickwinkeln beizukommen, haben sich jetzt eine Fragestellung und hauptsächlich zwei theoretische Grundlagen für mein abschließendes Essay ergeben. Was zu Beginn unter der etwas schwammigen Frage nach „Warum fühlt man sich so verloren nach dem Lesen?“ lief, wurde nun zu dem Interesse: „Kann Atmosphäre erzählt werden?“ Zum einen werde ich mich stark auf den Narrem-Begriff nach Werner Wolf konzentrieren, zum anderen möchte ich ein Beispiel aus dem Comic anhand von Schüwers senso-motorischem Bild untersuchen.  Das heißt jedoch nicht, dass die anderen narratologischen Theorien unfruchtbar gewesen seien.

Meine erste Herangehensweise an den Comic war strukuralistisch-semiotischer Art. Da Peirces Zeichenkategorien aufgrund ihrer Vielfalt und Komplexität meinen Horizont erstmal überstiegen haben, musste ich dem ganzen zwei Versuche geben, um heraus zu finden:
In Black Hole sind im Vergleich zu amerikanischen Comics großer Verlagshäuser oder zu den Sonntagsstrips in Zeitungen verhältnismäßig wenige Zeichen mit konventionell festgelegter Deutung (argumentisch-symbolische Legizeichen). Das führt zu Unsicherheit beim Rezipienten.

Dann habe ich mich der Fokalisierung der Erzählinstanzen zugewandt und konnte nach einer stark heruntergebrochenen Anwendung Genettes literaturwissenschaftlicher Termini nur noch feststellen, dass eine multiple Fokalisierung vorliegt. Diese ist jedoch nicht immer sofort erkenntlich oder greifbar und auch so entsteht ein unruhiger Moment beim Lesen des Comics.

Der nächste Beitrag widmete sich den Narremen, die in Black Hole vorhanden sind. Dabei bin ich zu dem Ergebnis gekommen, dass die Narreme teilweise in rudimentärer Form vorliegen oder teilweise entgegen der Erwartungen verwendet werden. Auch dieser Aspekt gesellt sich zu den vorherigen Verunsicherungen des Rezipienten.

Dann habe ich einen kurzes Ausflug in den historischen Kontext des Comics gewagt und vor allem gesellschaftliche Diskurse angerissen, die Black Hole zitiert. Dabei habe ich festgestellt, dass auf inhaltlicher Ebene in dem Comic vor allem postmoderne Themen psychologischer Art (bplsweise die Kastrationsangst nach Freud) aufgegriffen werden.

Im letzten Beitrag habe ich schließlich Schwüwers senso-motorisches Bild in zwei Beispielseiten als Instrument verwendet, um dem resignierten oder auch pessimistischen Grundton des Comics näherzukommen und das bestätigt zu finden, was Deleuze die Krise des senso-motorischen Schemas nennt.

Aus allen diesen Aspekte könnte man sicher sehr spannende Analysen ableiten. Im Rahmen des Essays schien es mir allerdings am sinnvollsten, mich auf zwei theoretische Grundlagen zu beschränken um anhand dieser genauer auf den im letzten Beitrag angesprochenen Grundton eingehen zu können.

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