„Hier steht die ganze Welt Kopf“ – Asterix Fazit

Inwiefern kann der Comic Asterix anhand verschiedener Erzähltheorien als erzählendes Medium eingeordnet werden? Aus den durchgeführten Untersuchungen dieser Analyse kann zusammenfassend festgestellt werden, dass der Comic als Genre auf jeden Fall zu den erzählenden Medien gehört. Einerseits selbstverständlich durch den Text, der zum einen als Erzählerstimme in Infokästen an den Panelrändern zum anderen als direkte Rede einzelner Charaktere fungiert. Andererseits besitzt der bildliche Anteil des Comics sowohl Züge aus bereits etablierten Erzähltheorien als auch seine ganz eigenen Stilmittel, um die Erzähl-Botschaft an den Leser zu übermitteln. Continue reading

Dri Chinisin: Das Zwiebelmodell – Zuspitzung des Erzählbegriffs

Schon in meinem letzten Post habe ich eine Art Bestandsaufnahme vorgenommen, und die verschiedenen medienanalytischen Ansätze meiner Comicanalyse zusammengefasst. Inwiefern sich diese für die eingangs gestellte Frage: Nämlich, wie gestaltet sich die intermediale Übertragung der Erzählinstanz vom Medium Literatur ins Medium Comic? -heranziehen lassen, muss unterdessen noch geprüft werden. Für den Moment möchte ich es dabei belassen und verschiedene Erzählbegriffe auf ihre Anwendbarkeit im vorliegenden Comic untersuchen.

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Railroading im Computerspiel #9: Emotionale Achterbahn

In der Entscheidungsanalyse hat sich herausgestellt, dass der Plot von TWD auf ein Ende hin gerailroadet wird. Doch auch immer wieder im Verlauf der Geschichte zuvor werden Entscheidungen des Spielers vom Spielverlauf revidiert oder wirken sich kaum aus. Die im Introscreen gemachten Versprechungen sind also streng genommen nicht erfüllt. Jedoch  fällt die Enttäuschung darüber gering aus. Das Spiel funktioniert trotzdem. Oder gerade deswegen?

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Stay #7: Unzuverlässigkeiten/Irritationen auf der Handlungsebene & Fazit

Im heutigen Blog-Beitrag soll es weniger um Irritationen in Form von Stilmitteln gehen, sondern um Ungereimtheiten auf der Handlungsebene, die dem Rezipienten eine andere Wirklichkeit suggerieren. Es geht also um mimetische Unzuverlässigkeit:

Einige Beispiele für diese Irritationen, aufgrund von Widersprüchen auf der Handlungsebene sind etwa, dass Figuren leben, obwohl sie nach Behauptungen des Protagonisten und anderen Nebenfiguren bereits seit Jahren tot sind. Der Psychiater begegnet beispielsweise Henrys Mutter und deren Hund Olive. Nicht nur die Begegnung erscheint in diesem Zusammenhang ungereimt, sondern auch die Verletzung, die der Psychiater durch Olive erfährt. Der Hund beißt Sam in der Arm und der Zuschauer kann anschließend sehen wie diese Verletzung behandelt wird. Das bedeutet, dass der Rezipient, falls er bis zu diese Zeitpunkt davon ausgegangen ist, Sam hätte selbst eine psychische Erkrankung und bilde sich Figuren in seinem Umfeld nur ein, durch diesen tatsächlichen Hundebiss motiviert wird, die bisherige Version neu zu denken.

An dieser Stelle könnte man nun fragen, ob die angeführten Beispiele nicht einen Hinweis auf die Meta-Ebene geben? Denn dabei handelt es sich ja um einen traumähnlichen Zustand, indem Raum, Zeit und Kausalität ausgehebelt sein können. Auch wenn dies sicherlich der Fall ist, kann der Rezipient genau diesen Punkt bei „der ersten Lektüre“ noch nicht erkennen oder zuordnen. Konkret bedeutet das, dass der Rezipient die Widersprüche auf der Handlungsebene als solche wahrnimmt, was nicht der Fall wäre, wenn er bereits wüsste, dass es sich um eine Art ausgedehnte Traumsequenz handelt. Die Begegnung mit bereits verstorbenen Figuren passt nicht in den Ablauf der Handlung und deshalb steht und fällt die Unzuverlässigkeit mit dieser unterschlagenen Information.

Zuletzt möchte ich noch eine Szene anführen, die so eine Irritation auf der Handlungsebene gut veranschaulicht:

https://www.dropbox.com/s/mpe6ekizqkqpkw9/Anrufbeantworter.mov?dl=0

Hier wird der Widerspruch zwischen dem worüber die Figur Auskunft gibt und dem was dem Rezipienten vorgeführt wird, besonders deutlich. Der Psychiater Sam und ein Kollege aus derPsychiatrie gelangen in Henrys Wohnung. Dort ertönt Sams Stimme auf dem Anrufbeantworter, für den Rezipienten ein überraschendes Ereignis, denn bislang gab es keinen Möglichkeit für Sam Henry zu kontaktieren. Noch kurioser wird es, wenn Sam leugnet Henry auf den Anrufbeantworter gesprochen zu haben, obwohl es sich um seine Stimme handelt. Dieser Umstand wird weiter nicht thematisiert, sondern bleibt zunächst offen und der Rezipient weiß bis zuletzt wenig mit dieser sonderbaren Szene anzufangen.

Die Aussage der Figur steht somit im Widerspruch zur Darstellung auf der Handlungsebene und dabei entsteht eine Lücke, die vom Rezipienten gefüllt werden muss.

Ein kurzes Fazit zur Unzuverlässigkeit:
Die Unzuverlässigkeit in Stay resultiert vor allem aus den losen Montagen, die durch zusammenhängende Schnitte dem Rezipienten einen Zusammenhang suggerieren, wo keiner ist. Aber auch dadurch, dass die Erzählung auf einer Meta-Ebene nicht als solche zu erkennen ist und dem Rezipienten diese Tatsache unterschlagen wird, entpuppt sich die erzählerische Unzuverlässigkeit im Film. Es kommt noch hinzu, dass in der Erzählung auf der Meta-Ebene, Szenen eingefügt wurden, die sich kurz vor dem Unfall ereignet haben. Die Reihenfolge der Ereignisse sind somit nicht chronologisch, wodurch der Rezipient gleichermaßen gefordert und verwirrt zurück bleibt.

Die evaluative Unzuverlässigkeit spielt ebenfalls eine entscheidende Rolle. Beide Protagonisten unterliegen einer wechselnden Bewertung. Zu Beginn wird Henry tendenziell negativ dargestellt, was sich dann ändert und auf Sam übertragen wird. Gegen Ende weiß man überhaupt nicht mehr wie man die Figur oder die Figuren (hängt davon ab, ob man sie noch in der Mehrzahl wahrnimmt) zu bewerten hat. Bei der Auflösung der Meta-Eben am Ende zeigt sich, dass beide am Unfallort mit Schuldgefühlen zu kämpfen haben, was einen Erklärungsansatz für die evaluative Unzuverlässigkeit bietet.

Mehr als nur ein Eingabegerät – Neue Controller-Funktionen der PS4-Version von GTA V

Wie sich Spielmechaniken in der Software von Videospielen schnellen Schrittes weiterentwickelt haben, so hat sich im Verlauf der Jahre auch Einiges bei der Hardware getan. Doch nicht nur die Spielekonsolen selbst wurden schneller und leistungsfähiger, auch die Controller wurden stets weiterentwickelt. GTA V bedient sich als eines der ersten Spiele aller neuer Funktionen, die der DualShock-4, der serienmäßige Controller der Playstation 4, zu bieten hat.

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Her Morning Elegance: Diegetische Ebenen nach Kuhn

Bevor ich zu einem abschließenden Fazit meiner Medienanalyse komme, möchte ich in diesem Blogpost auf die Filmnarratologie von Markus Kuhn und dessen erzähltheoretisches Modell eingehen. Ausgehend von einer literaturwissenschaftlichen Theorie entwickelte er das Modell weiter, um dieses auf das Medium Film anzuwenden.

Nach dem Modell der narrativen Kommunikationsebenen und Instanzen nach Markus Kuhn (vgl. Kuhn (2013): S. 83)
Nach dem Modell der narrativen Kommunikationsebenen und Instanzen von Markus Kuhn (vgl. Kuhn (2013): S. 83)

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Unzuverlässigkeit in „Heroes“: Fazit

In meinem letzten Beitrag habe ich festgestellt, dass sowohl die Figuren der Serie als auch der Zuschauer durch die Bilder eine falsche Idee davon bekommen, was in der diegetischen Zukunft passieren wird. Nun werde ich auf meine Ausgangsthese zurückkommen und untersuchen, inwieweit die Bilder als unzuverlässiger Erzähler bezeichnet werden können. Continue reading

Erzählen Gerhard Richters Bilder? Fazit

In meinem letzten Beitrag habe ich versucht zu zeigen welches erzählerische Potential in Gerhard Richters abstrakten Bildern steckt, wenn man sie als Erinnerungsmalerei begreift. Der Ausgangspunkt waren Christine Mehrings und Andre Bazins Überlegungen, durch welche die klassischen, narrativen Erzähbergiffe für meinen Untersuchungsgegenstand ausgeschlossen werden konnten. Um mich meiner ursprünglichen Fragestellung, ob Gerhard Richters Bilder erzählen, und wie ein solches Erzählen definiert werden muss zu nähern habe ich auf die Erinnerungsphilosophie Marcel Prousts zurückgegriffen. Das Konzept Prousts findet meiner Meinung nach in bestimmten Aspekten von Richters Malweise eine Entsprechung, so dass die Frage legitim ist, ob Richters Bilder viel weniger erzählen, als sich zu erinnern.

Ganz allgemein gesprochen bedeutet „sich erinnern“, dass etwas Vergessenes wieder zu Bewusstsein kommt. Das eigentliche „sich erinnern“  bleibt dabei im Dunklen, Unbewussten und wird zu Unrecht mit der Beschreibung zweier Zustände und ihrer zeitlichen Relation gleichgesetzt: Im Zustand A ist die Information B nicht bewusst, durch den Erinnerungsprozess wird B bewusst und der Zustand A geht in den Zustand AB über. Da es sich bei „sicher erinnern“ um ein Verb handelt ist also der Prozess zwischen dem Anfangs- und Endzustand der eigentliche Kern des Wortes. Marcel Prousts Leistung besteht unter anderem darin, dass er es versucht, und auch geschafft hat diesen sehr unbestimmten Prozess in Worte zu fassen. Damit dies gelingen konnte, musste er diesen Prozess in eine Erzählung einbetten, in die Erzählung über die Überführung des Zustandes A in den Zustand AB. Weil dem Menschen das eigentliche Erinnern unzugänglich ist, da es sich auf rein neuronaler Ebene abspielt ist „sich erinnern“ sprachlich nur als Erzählung zu beschrieben. Die Verschränkung der beiden Begriffe führt bei den Bildern Gerhard Richters allerdings nicht zu einer Lösung, so dass man behaupten könnte sie würden erzählen. Zwar gibt es auch hier einen Anfangs- und Endzustand, die weiße Leinwand und das fertige Bild, aber durch die bildimmanente Gleichzeitigkeit ist das fertige Bild weniger ein Endzustand im eigentlichen Sinne, als viel mehr die Zustandsbeschreibung eines Prozesses, des „sich erinnern“.

Meiner Meinung nach erzählen daher Gerhard Richters abstrakte Bilder nicht. Sie sind die Verbildlichung eines Prozesses von welchem sich das Bewusstsein kein Bild machen kann. Die Malerei Richters erinnert sich nicht „an“ etwas, sie ist das Erinnern „an sich“, ein Abbild der magischen Membran, die Unbewusstes von Bewusstem scheidet, wenn Vergangenes wieder zu Bewusstsein kommt.