Animation

Bild-Ton-Trennung

Wie angekündigt, habe ich über die Feiertage einen Versuch gestartet. Ich wollte Ton und Bild getrennt voneinander anhören und ansehen, um zu erkennen, über welche Kanäle welche Informationen vermittelt werden. Mir ist aber ziemlich schnell aufgefallen, dass ich weder den Vortrag anhören konnte, ohne dass mir die Filmbilder in den Kopf gekommen sind, noch dass ich die Bildabfolge anschauen konnte, ohne dass ich wusste, was gesagt wird.
Also habe ich Leuten, die das Video noch nie gesehen haben, die Aufgabe erteilt, zuzuhören bzw. hinzusehen. Folgendes ist dabei herausgekommen: Continue reading

Wirklich nur eine story?

Mein nächster Schritt wird sein, das Video in story und discourse, bzw. substance of expression/content und form of expression/content (Vgl. Seymour Chatman, Story and Discourse) einzuordnen. Ich möchte dadurch herausfinden, ob es tatsächlich nur eine story und einen discourse gibt. Schließlich sind in einem animierten Erklärvideo mehrere Medien involviert.

  • story: die Veranschaulichung der Größe und Dichte eines Nukleus
  • discourse: der gesprochene Text und die Animation mit eingefügten Soundelementen und Schriftteilen

 

Substance of expression:

Alle Laute, die ein Mensch von sich geben kann UND alle Farben, Kompositionen, Striche, Linien etc., die ein Mensch malen kann/die animiert werden können

Form of expression: 

Gliederung der Erzählung, die gewählten Worte in der gewählten Reihenfolge (auch die Tonhöhe? Denn der Text wird ja nicht gelesen, sondern dem Rezipienten vorgetragen und zwar genau so, wie er eben vorgetragen wird und nicht anders) UND die gewählte Art der Animation. Sprich Farben, Art der Darstellung, Symbole und Motive, die tatsächlich gewählt wurden, die Art, wie sie ineinander übergehen oder aufeinander folgen

–> Discourse

Substance of content:

Sämtliche Emotionen und Gedanken, Handlungen und Objekte, Symbole die mündlich erzählt, und oder bildlich/filmisch dargestellt werden können und die in der westlichen Kultur verstanden werden

Form of Content: 

Handlungen, die gezeigt werden, der Protagonist, der Affe, die Küche, das Fußballstadion, die Blaubeere usw.

–> Story

Nach dieser Einteilung in story  und discourse ist es möglich, den Inhalt anders zu erklären. Mit anderen Worten, Wortabfolgen, Gliederungen, anderen Bildern (sprachlich und animiert). Der discourse ist also austauschbar, während die story die gleiche bleiben kann.

Es ist hier also möglich, das Erklärvideo als Ganzes zu sehen, trotzdem lohnt es sich meiner Meinung nach, zumindest den gesprochenen Text und das animierte Bild getrennt voneinander zu betrachten. Dabei möchte ich nicht bestreiten, dass beide in Beziehung zueinander stehen. Das Bild richtet sich nach allem, was der Erzähler sagt. Er gibt den Input, das Video untermalt das Gesagte. Es illustriert die Geschichte, sodass sie anschaulich und leichter verständlich wird.

Das leichte Verständnis wird besonders über Metaphern erreicht. Bergmann versucht sprachlich zu erklären, wie winzig klein etwas Abstraktes und Unvorstellbares – ein Atom und dessen Kern – ist. Durch den spielerischen Umgang mit Objekten, die dem Rezipienten bekannt sind, wie eine Blaubeere oder ein Haus, wird eine gemeinsame Basis geschaffen, die in einem Verstehen des Sachverhaltens mündet.

Auf die verwendeten Bilder  Motive und Symbole werde ich noch weiter eingehen. Mein nächster Schritt wird ein Versuch sein: ich werde mir Bild und Ton getrennt voneinander ansehen und anhören. Möglicherweise bewirkt die Trennung der Medien eine andere story. Dann werde ich analysieren, über welche Kanäle welche Informationen übermittelt werden. Interessant kann hier ein Spiel mit den Medien animierter Film und Vortrag werden. Inwiefern ist beispielsweise die story veränderbar, wenn ich das selbe Bildmaterial mit einem anderen Text unterlege oder andersrum? Mit Sicherheit kann man auf diese Art eine sehr andere Geschichte mit teilweise gleichem Material erzählen.

Wer zu meiner Einteilung nach Chatman etwas zu erwidern oder hinzuzufügen hat: nur zu! Für weitere Vorschläge oder Fragen bin ich dankbar.

Das Problem einer Fragestellung und Chatmans Erzählbegriff

Für meine Analyse einen Corpus und eine übergeordnete Fragestellung wirklich festzulegen, schien mir gar nicht so einfach. Dadurch, dass ich nur einen bestimmten Ausschnitt des ganzen Films gewählt habe, habe ich meinen Analysegegenstand schon mal von vornerein spezifischer bestimmt.
Um weiter einzugrenzen, habe ich mir die folgende Frage gestellt: Was ist das Besondere, wieso ich dieses Beispiel genommen habe? Denn es muss schließlich einen triftigen Grund geben, warum mir dieser Gegenstand für eine Medienanalyse geeignet schien.

Das Besondere, was mich an dieser Sequenz fasziniert hat, ist die Einbettung einer animierten und somit zum Rest völlig abgegrenzten Sequenz in den Film. An dieser Stelle haben wir es mit mehreren Ebenen der Geschichte zu tun, was dem Filmzuschauer deutlich gezeigt wird. Continue reading

Das Märchen von den drei Brüdern: Geschichte in der Geschichte

„Es waren einmal drei Brüder…“ klingt wie der Anfang eines traditionellen Märchens. In gewisser Weise ist es das auch. Nur dass es sich bei diesem Märchen um ein traditionelles Märchen aus der Zaubererwelt handelt und nicht aus unserer. Das Märchen von den drei Brüdern wurde uns „Muggeln“ also erst durch J.K. Rowling zugänglich.
Oder anders gesagt, das Märchen wurde erst vor einigen Jahren (schätzungsweise im Jahr 2005/2006) von J.K. Rowling für den siebten und letzten Harry Potter-Band, „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“ (2007), erfunden. Im Jahr 2008 erschien es dann auch in einer Sammlung als Begleitbuch unter dem Titel „Die Märchen von Beedle dem Barden“. Und auch in der Verfilmung konnte diese Erzählung nicht fehlen. Continue reading