Asterix

„Hier steht die ganze Welt Kopf“ – Asterix Fazit

Inwiefern kann der Comic Asterix anhand verschiedener Erzähltheorien als erzählendes Medium eingeordnet werden? Aus den durchgeführten Untersuchungen dieser Analyse kann zusammenfassend festgestellt werden, dass der Comic als Genre auf jeden Fall zu den erzählenden Medien gehört. Einerseits selbstverständlich durch den Text, der zum einen als Erzählerstimme in Infokästen an den Panelrändern zum anderen als direkte Rede einzelner Charaktere fungiert. Andererseits besitzt der bildliche Anteil des Comics sowohl Züge aus bereits etablierten Erzähltheorien als auch seine ganz eigenen Stilmittel, um die Erzähl-Botschaft an den Leser zu übermitteln. Continue reading

„Sämtliche Ölzweige“ – Filmische VEI und SEI im Comic?

Filmisches Erzählen verhält sich anders als literarisches Erzählen. Markus Kuhn, Juniorprofessor für Medienwissenschaft am Institut für Medien und Kommunikation der Universität Hamburg, entwirft deswegen in seiner Dissertation Filmnarratologie. Ein erzähltheoretisches Analysemodell (2011) ein Modell, das er speziell für den Film abändert. Die bisherige literaturwissenschaftliche Erzählinstanz spaltet Kuhn in die sogenannte visuelle (VEI) und die sprachlichen Erzählerinstanzen (SEI) auf, die vom impliziten Autor als extradiegetische Erzähler eingesetzt werden, um die intradiegetische Welt der Figuren zu formen (siehe Bild 1). Durch die Neueinführung der VEI und der SEI macht Kuhn die erzählerischen Wirkungen unterschiedlicher Kamera-Perspektiven, der Montage der einzelnen Einstellungen oder auch sprachlicher Realisierungen, wie Voice-Overs oder Textinserts, im Film untersuchbar.

Ein Schaubild, das zeigt wie VEI und SEI im neuen Analysemodell von Markus Kuhn eingesetzt werden.
Bild 1: VEI und SEI stehen zwischen dem Impliziten Autor und der Intradiegetischen Erzählebene.

Der Comic bietet seinem Leser, ähnlich wie der Film, ebenfalls sowohl bildliche als auch sprachliche Elemente, die zum Verständnis des Erzählten beitragen. Wie im Film Kamera-Einstellungen, Perspektive und deren Montage wichtige erzählerische Faktoren darstellen, so repräsentiert jedes Panel im Comic eine eigene Perspektive auf das Gezeigte und die Montage der einzelnen Panels auf einer Seite nach der anderen spiegelt den Ablauf einer Filmsequenz wider. Informationen aus Voice-Overs, die im Film auditiv vernehmbar sind, oder Textinserts werden in Comics in unterschiedlich gestalteten Infokästen am Rand eines Panels zusammengefasst.  Continue reading

„Man könnte sagen…“ – Versuch einer farblichen Untersuchung

Als kleiner Exkurs, weg von den klassischen Erzählbegriffen der Literatur, werde ich diese Woche die Unterschiede in der Farbgebung verschiedener Ausgaben und Nachdrucke des ersten Bandes der Asterix-Reihe untersuchen. Hierbei werde ich mich an der französischen Originalfassung, der ersten deutschen Veröffentlichung und zwei Nachdrucken, der eine von 2002 und der andere von 2013, orientieren.

Zunächst fallen bereits bei einem Vergleich des französischen Originals mit der deutschen Erstveröffentlichung kleine, wenn auch wenig auffällige, Unterschiede auf. Die deutsche Fassung scheint auf dem ersten Blick kräftiger und etwas farbenfroher zu sein. Ersteres könnte jedoch lediglich der Druckart der jeweiligen Ausgabe geschuldet sein. Die unterschiedliche Farbenpracht lässt sich auf wenige Bildobjekte eingrenzen. Zum einen ist die Kline, auf der Asterix liegt, im Original braun, scheint somit aus Holz zu sein, während sie in der deutschen Version dunkelgrün eingefärbt ist, was eine Art Polsterung vermuten lässt. Zum anderen ist auch der Zenturio leicht anders eingefärbt. Im französischen Original sind einerseits die Comic-typischen Zorneswölkchen über seinen Kopf lila, andererseits seine Haut in Magenta eingefärbt, das von der Farbe seinem Umhang und Gürtel sehr nahe kommt. Hingegen sind die Wölkchen in der deutschen Version weiß und die Hautfarbe gleicht der von Asterix und Miraculix.*

Ein Panel aus zwei verschiedenen Ausgaben des Bandes "Asterix, der Gallier".
Bild 1 (links): Das französische Original von 1961.
Bild 2 (rechts): Bereits die erste deutsche Fassung von 1968 weist kleine farbliche Unterschiede auf.

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„Allzeit bereit“ – Lessings Prägnanter Augenblick im Comic

Gotthold Ephraim Lessing beschreibt in seiner Schrift Laokoon oder Über die Grenzen der Malerei und Poesie unter anderem das Phänomen des prägnanten Augenblicks. Die Literatur kann eine laufende Handlung ohne Weiteres wiedergeben, bei der Malerei hingegen, als räumlich abbildende Kunstform, stößt Lessing auf Probleme. Deswegen muss ein Kunstwerk, um erzählen zu können, den prägnanten Augenblick einer Handlung darstellen, aus dem sich sowohl die vorherigen als auch die nachfolgenden Zeitabschnitte ablesen lassen müssen. (vgl. Lessing 2012, S. 115 ff)

Gerade bei Comics, die durch Bildhaftigkeit unter Zuhilfenahme von Schrift erzählen sollen, bietet sich eine Untersuchung mit Lessings Begriff des prägnanten Augenblicks an. Bereits wenn man bei jedem beliebigen Band aus der Reihe Asterix die erste Seite, den sogenannten Schmutztitel, aufschlägt, präsentiert sich das erste Bild dieses prägnanten Augenblicks (siehe Bild 1). Continue reading

„Zack! Bumm! Knuff!“ – Ganz einfach… oder doch nicht?

In der letzten Sitzung vor der Weihnachtspause war Dr. phil. Janina Wildfeuer in Freiburg zu Gast und stellte ihr selbst entwickeltes System zur Analyse des Seitenlayouts von Comics vor. Dieses spaltet sich in immer engere und sich letzten Endes einander ausschließende Kriterien zur Charakterisierung einer Comicseite auf. Um eine Analyse durchzuführen oder zumindest den Versuch einer solchen zu unternehmen, muss den verschiedenen Ästen dieses Kriterienbaums systematisch nachgegangen werden. Im Folgenden werde ich an Beispielen des Comics Asterix versuchen, dieses System anzuwenden.

Seitenansicht aus Asterix, der Gallier.
Bild 1: Ein Variotable mit zwischen zwei und vier Panels ist keine Seltenheit in den Comics.

Aus verschiedenen Comicbänden der Reihe Asterix lassen sich einige grundsätzliche Gemeinsamkeiten des Seitenlayouts formulieren. In vielen Punkten wird diese Analyse einen verallgemeinernden Charakter haben. Da das Layout jedoch in Gegensatz zu modernen Heldencomics ziemlich konstant ist, habe ich mich dazu entschieden, einzelne Sonderfälle, die mir aufgefallen sind, in ihren Besonderheiten genauer zu betrachten. Continue reading

„Wo? Wo?“ – Chatman bei Asterix

Draufhauen, was das Zeug hält. Das ist eine der Lieblingsbeschäftigungen der Gallier, wenn sie sich wieder einmal gegen die Feinde zur Wehr setzen müssen. Besonders Obelix scheint daran großen Gefallen zu finden. So kommt es, dass Panels wie dieses aus Asterix bei den Olympischen Spielen keine Seltenheit in den Comics darstellen. Jedoch funktioniert ein solches Bild nicht von alleine. Erst der Rahmen der Handlung, des Comics und dessen Regeln lassen den Betrachter den Inhalt verstehen. Was hier bilderzählerisch geschieht, möchte ich im Folgenden kurz zu erläutern versuchen.

Asterix und Obelix sitzen rudernd nebeneinander, als Asterix eine Piratengaleere entdeckt.
„Eine Piratengaleere!“ „Wo? Wo?“ – Ohne das Bild fehlen wichtige Bestandteile einer Szene im Comic.

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„Die spinnen, die Römer!“

„Wir befinden uns im Jahre 50 v. Chr. Ganz Gallien ist von den Römern besetzt… Ganz Gallien? Nein! Ein von unbeugsamen Galliern bevölkertes Dorf hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten. Und das Leben ist nicht leicht für die römischen Legionäre, die als Besatzung in den befestigten Lagern Babaorum, Aquarium, Laudanum und Kleinbonum liegen…“ (Goscinny, Uderzo 1995, 3).

Der Charakter Asterix liegt entspannt auf der Seite.
Der unbeugsame Gallier, Asterix.

… und damit ist bereits ganz grob umrissen, worum es in den Asterix-Comics geht. Caesar und seine Legionäre beißen sich an einem kleinen, scheinbar harmlosen Dorf wiederholt die Zähne aus, denn die Gallier verfügen über einen Zaubertrank, der ihnen unglaubliche Kräfte verleiht, mit denen sie sich tatkräftig zur Wehr setzen. Doch auch sie müssen sich mit den täglichen Überraschungen des Lebens auseinandersetzen und so manches Mal wird es dadurch mit der Rettung ganz schön knapp… Continue reading