Chatman

„Hier steht die ganze Welt Kopf“ – Asterix Fazit

Inwiefern kann der Comic Asterix anhand verschiedener Erzähltheorien als erzählendes Medium eingeordnet werden? Aus den durchgeführten Untersuchungen dieser Analyse kann zusammenfassend festgestellt werden, dass der Comic als Genre auf jeden Fall zu den erzählenden Medien gehört. Einerseits selbstverständlich durch den Text, der zum einen als Erzählerstimme in Infokästen an den Panelrändern zum anderen als direkte Rede einzelner Charaktere fungiert. Andererseits besitzt der bildliche Anteil des Comics sowohl Züge aus bereits etablierten Erzähltheorien als auch seine ganz eigenen Stilmittel, um die Erzähl-Botschaft an den Leser zu übermitteln. Continue reading

Dri Chinisin: Bestandsaufnahme.

Im folgenden Post möchte ich meine bisherige Analyse rekapitulieren, indem ich mich bemühe, die verschiedenen Überlegungen im Hinblick auf die Fragestellung nach der Intermedialität einer Erzählinstanz einzuordnen. Ausgangspunkt meiner Medienanalyse war Irina Rajewskys Intermedialitäts-Begriff, vor dessen Hintergrund ich die bestehende intermediale Beziehung zwischen dem Ursprungsmedium der Erzählung und der Comicadaption herausstellen und den bestehenden Medienkontakt eindeutig verorten konnte.  Continue reading

Dri Chinisin: Perspektive und Instanzen.

In diesem Post möchte ich mit den Begrifflichkeiten der Erzähltheorie Genettes arbeiten, wobei ich in Bezug auf die Erzählinstanzen die Erweiterung von Markus Kuhn übernehme. Im Zuge dessen soll zunächst die Erzählsituation geklärt werden, woran sich, so hoffe ich, eine Annäherung an in vorherigen Posts aufgekommene Fragen anschließen kann.

Fokalisierung vs. Okularisierung.
Fokalisierung vs. Okularisierung.

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Dri Chinisin: Zeichnen und Zeigen.

Bevor in einem nächsten Schritt die Erzählsituationen in Comic und Prosatext verglichen werden sollen, widme ich mich zum wiederholten Mal der Beschreibung der medialen Oberfläche, diesmal unter besonderer Berücksichtigung sich ergebender Zeichenrelationen. Dabei beziehe ich mich auf Kategorien aus Pierces Zeichentheorie, argumentiere aber auch in Anlehnung an Chatmans semiotische Erzähltheorie. Continue reading

Wirklich nur eine story?

Mein nächster Schritt wird sein, das Video in story und discourse, bzw. substance of expression/content und form of expression/content (Vgl. Seymour Chatman, Story and Discourse) einzuordnen. Ich möchte dadurch herausfinden, ob es tatsächlich nur eine story und einen discourse gibt. Schließlich sind in einem animierten Erklärvideo mehrere Medien involviert.

  • story: die Veranschaulichung der Größe und Dichte eines Nukleus
  • discourse: der gesprochene Text und die Animation mit eingefügten Soundelementen und Schriftteilen

 

Substance of expression:

Alle Laute, die ein Mensch von sich geben kann UND alle Farben, Kompositionen, Striche, Linien etc., die ein Mensch malen kann/die animiert werden können

Form of expression: 

Gliederung der Erzählung, die gewählten Worte in der gewählten Reihenfolge (auch die Tonhöhe? Denn der Text wird ja nicht gelesen, sondern dem Rezipienten vorgetragen und zwar genau so, wie er eben vorgetragen wird und nicht anders) UND die gewählte Art der Animation. Sprich Farben, Art der Darstellung, Symbole und Motive, die tatsächlich gewählt wurden, die Art, wie sie ineinander übergehen oder aufeinander folgen

–> Discourse

Substance of content:

Sämtliche Emotionen und Gedanken, Handlungen und Objekte, Symbole die mündlich erzählt, und oder bildlich/filmisch dargestellt werden können und die in der westlichen Kultur verstanden werden

Form of Content: 

Handlungen, die gezeigt werden, der Protagonist, der Affe, die Küche, das Fußballstadion, die Blaubeere usw.

–> Story

Nach dieser Einteilung in story  und discourse ist es möglich, den Inhalt anders zu erklären. Mit anderen Worten, Wortabfolgen, Gliederungen, anderen Bildern (sprachlich und animiert). Der discourse ist also austauschbar, während die story die gleiche bleiben kann.

Es ist hier also möglich, das Erklärvideo als Ganzes zu sehen, trotzdem lohnt es sich meiner Meinung nach, zumindest den gesprochenen Text und das animierte Bild getrennt voneinander zu betrachten. Dabei möchte ich nicht bestreiten, dass beide in Beziehung zueinander stehen. Das Bild richtet sich nach allem, was der Erzähler sagt. Er gibt den Input, das Video untermalt das Gesagte. Es illustriert die Geschichte, sodass sie anschaulich und leichter verständlich wird.

Das leichte Verständnis wird besonders über Metaphern erreicht. Bergmann versucht sprachlich zu erklären, wie winzig klein etwas Abstraktes und Unvorstellbares – ein Atom und dessen Kern – ist. Durch den spielerischen Umgang mit Objekten, die dem Rezipienten bekannt sind, wie eine Blaubeere oder ein Haus, wird eine gemeinsame Basis geschaffen, die in einem Verstehen des Sachverhaltens mündet.

Auf die verwendeten Bilder  Motive und Symbole werde ich noch weiter eingehen. Mein nächster Schritt wird ein Versuch sein: ich werde mir Bild und Ton getrennt voneinander ansehen und anhören. Möglicherweise bewirkt die Trennung der Medien eine andere story. Dann werde ich analysieren, über welche Kanäle welche Informationen übermittelt werden. Interessant kann hier ein Spiel mit den Medien animierter Film und Vortrag werden. Inwiefern ist beispielsweise die story veränderbar, wenn ich das selbe Bildmaterial mit einem anderen Text unterlege oder andersrum? Mit Sicherheit kann man auf diese Art eine sehr andere Geschichte mit teilweise gleichem Material erzählen.

Wer zu meiner Einteilung nach Chatman etwas zu erwidern oder hinzuzufügen hat: nur zu! Für weitere Vorschläge oder Fragen bin ich dankbar.

Der Traum und die Musik: „A cello lying in its case“ – Her Morning Elegance

In meinem dritten Blogeintrag möchte ich meine Fragestellung etwas genauer definieren. In den nächsten Beiträgen möchte ich mich vor allem darauf konzentrieren, inwiefern der Liedtext und die Bilder zusammenhängen. Was wird auf beiden Ebenen jeweils erzählt? Ergänzen sich diese beiden Medien oder vermitteln sie dem Rezipienten zwei völlig unterschiedliche Dinge? Könnten die Bilder sogar selbstständig erzählen?

Her Morning Elegance #0361: http://www.hmegallery.com/photos.php, Stand: 21.12.14
Her Morning Elegance #0361: http://www.hmegallery.com/photos.php,                Stand: 21.12.14

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Das Problem einer Fragestellung und Chatmans Erzählbegriff

Für meine Analyse einen Corpus und eine übergeordnete Fragestellung wirklich festzulegen, schien mir gar nicht so einfach. Dadurch, dass ich nur einen bestimmten Ausschnitt des ganzen Films gewählt habe, habe ich meinen Analysegegenstand schon mal von vornerein spezifischer bestimmt.
Um weiter einzugrenzen, habe ich mir die folgende Frage gestellt: Was ist das Besondere, wieso ich dieses Beispiel genommen habe? Denn es muss schließlich einen triftigen Grund geben, warum mir dieser Gegenstand für eine Medienanalyse geeignet schien.

Das Besondere, was mich an dieser Sequenz fasziniert hat, ist die Einbettung einer animierten und somit zum Rest völlig abgegrenzten Sequenz in den Film. An dieser Stelle haben wir es mit mehreren Ebenen der Geschichte zu tun, was dem Filmzuschauer deutlich gezeigt wird. Continue reading

„Wo? Wo?“ – Chatman bei Asterix

Draufhauen, was das Zeug hält. Das ist eine der Lieblingsbeschäftigungen der Gallier, wenn sie sich wieder einmal gegen die Feinde zur Wehr setzen müssen. Besonders Obelix scheint daran großen Gefallen zu finden. So kommt es, dass Panels wie dieses aus Asterix bei den Olympischen Spielen keine Seltenheit in den Comics darstellen. Jedoch funktioniert ein solches Bild nicht von alleine. Erst der Rahmen der Handlung, des Comics und dessen Regeln lassen den Betrachter den Inhalt verstehen. Was hier bilderzählerisch geschieht, möchte ich im Folgenden kurz zu erläutern versuchen.

Asterix und Obelix sitzen rudernd nebeneinander, als Asterix eine Piratengaleere entdeckt.
„Eine Piratengaleere!“ „Wo? Wo?“ – Ohne das Bild fehlen wichtige Bestandteile einer Szene im Comic.

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Dri Chinisin: Grafisches Erzählen – Erste Schritte

Vor dem Hintergrund von Lessings Laokoon, in dessen diskursivem Nachhall das Erzählvermögen von Bildern, als auch das Verhältnis der Künste zueinander und ihres medienspezifischen Ausdrucks in der Übertragung von Inhalten, eine nach wie vor zentrale Rolle spielen, möchte ich mich mit dem Comicband Dri Chinisin von Sascha Hommer auseinandersetzen.

Es handelt sich dabei um sechs Bildgeschichten (sozusagen ‚grafische Erzählungen’ als Erweiterung der Genrepallette um die Graphic novel), die je einen Satz aus einer Erzählung von Brigitte Kronauer illustrierend darstellen – also nicht als Begleitmedium, sondern durchaus als eigenständiges Werk gedacht werden wollen.

Um ein paar Ansätze zu nennen, möchte ich unter anderem untersuchen:

9783941099739

  • wie sich die Verlagerung des Expliziten in der intermedialen Übersetzung gestaltet.
  • wo und wie von einem Medienkontakt zu spreche ist und inwiefern der Anspruch eines (teilweise bis vollständig?) übertragenen content of story der Vorlage besteht und ob dieser für den Rezipienten überhaupt relevant sein muss.
  • welche darstellerischen Möglichkeiten sich insbesondere aus der Abbildung von Räumlichkeit und Zeitlichkeit ergeben.
  • welche Zeichentheoretischen Relationen von einem Signifikant zu einem oder mehreren Signifikaten zu erkennen sind.
  •    und daran anknüpfend:
    • welchen Raum sprachliche Zeichen einnehmen und inwieweit sie auf dem medialen Kanal des Comics als gleichgeschaltetes Element fungieren,
    • inwiefern die einzelnen Panels und die gesamte Erzählung eine repräsentative Funktion erfüllen müssen.
  • Außerdem: die grafische Umsetzung einer Fokalisierung scheint mir hinführend zur Überprüfung der Übertragbarkeit der Begrifflichkeiten literarischer Erzähltheorie in bildlicher ‚Narration’ – auch unter dem Gesichtspunkt der literarischen Vorlage.
  • Dies wirft zu guter letzt die Frage nach dem Erzähler auf: Ist in der Verschränkung von Fokalisierung und Diskurs in den Panels der tragische Verlust einer Erzählinstanz zu beklagen?

Zunächst gilt es, meine eigene Rezeptionsgeschichte zu organisieren. Ich nehme mir vor, mich erst in einem zweiten Schritt mit der Ausgangserzählung vertraut zu machen – ein Luxus, den Lessing in seiner Laokoonanalyse wohl nicht hatte. Außerdem muss ich mir noch eine der Bildgeschichten zur genaueren Analyse aussuchen. Das fällt mir auch anhand des gerade formulierten Kriterienkatalogs denkbar schwer – ein kleiner Hinweis auf die Kommentarfunktion sei hier platziert. Ansonsten: Was tun, als den eigenen ästhetischen Vorlieben und dem anthropologischen Bedürfnis nach Erzählung zu folgen?

Sascha Hommer Online

Einführende Lektüre: Schüwer, Martin: Wie Comics erzählen (2008)

Foto: Reprodukt