Gérard Genette

Dri Chinisin: Bestandsaufnahme.

Im folgenden Post möchte ich meine bisherige Analyse rekapitulieren, indem ich mich bemühe, die verschiedenen Überlegungen im Hinblick auf die Fragestellung nach der Intermedialität einer Erzählinstanz einzuordnen. Ausgangspunkt meiner Medienanalyse war Irina Rajewskys Intermedialitäts-Begriff, vor dessen Hintergrund ich die bestehende intermediale Beziehung zwischen dem Ursprungsmedium der Erzählung und der Comicadaption herausstellen und den bestehenden Medienkontakt eindeutig verorten konnte.  Continue reading

Dri Chinisin: Perspektive und Instanzen.

In diesem Post möchte ich mit den Begrifflichkeiten der Erzähltheorie Genettes arbeiten, wobei ich in Bezug auf die Erzählinstanzen die Erweiterung von Markus Kuhn übernehme. Im Zuge dessen soll zunächst die Erzählsituation geklärt werden, woran sich, so hoffe ich, eine Annäherung an in vorherigen Posts aufgekommene Fragen anschließen kann.

Fokalisierung vs. Okularisierung.
Fokalisierung vs. Okularisierung.

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Das Salz der Erde: Die Instanzen der Erzählung

In diesem Beitrag möchte ich mich mit den narrativen Instanzen in Bezug auf das gleichnamige Kapitel in Markus Kuhns Filmnarratologie auseinandersetzen. Im Allgemeinen ist Kuhns Arbeit für diese Analyse von Bedeutung, da sie Genettes Konzept der Erzählinstanzen für den Film neu durchdenkt. Im Besonderen ist die Arbeit für den weiteren Verlauf der Analyse grundlegend, da es sich beim Dokumentarfilm „Das Salz der Erde“ um einen Wahrnehmungsakt innerhalb des Sprechakts der Bilder handelt, der sich wiederum als Erzählakt äußert. Anders als in der Literatur können deshalb die Erzählinstanzen im Film nicht allein durch die Frage „Wer spricht?“ innerhalb der Kategorie der „Stimme“ bestimmt werden. Auch ist das filmische Erzählen nicht nur an personifizierbare (anthropomorphe) Erzähler gebunden, sondern ebenso von bildimmanenten Bedingungen abhängig. Schließlich geht es in diesem Film nicht nur um die Bilder als Produkte eines einzelnen Subjekts, sondern um ihre Produktion und Präsentation, die wiederum ihre Geschichte davor und dahinter anzeigen und aussprechen und sie dadurch selbst zu narrativen Subjekten machen. Um diesen Erzählakt näher bestimmen zu können, muss deshalb auch die Kategorie der Erzählinstanz in den Plural gesetzt werden. Dabei handelt es sich nicht um eine Prämisse, sondern um eine Einsicht (aus transmedialer Perspektive), die sich auch in meinem letzten Beitrag zu erkennen gegeben hat – es geht damit um viel mehr als nur sprachliche Funktionen, um viel mehr als nur einen sprachlichen Erzähler, da die genuin mediale Funktion, durch Subjektivität Identität zu erzeugen, im Vordergrund steht. So differenziert Kuhn die Instanzen in zwei Ausdruckskanäle aus:

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Das Salz der Erde: Die Zeit, der Modus und die Stimme der Erzählung

In einem ersten Schritt der Analyse habe ich bereits die drei Aspekte des Narrativen nach Gérard Genettes in „Die Erzählung“ entwickeltem Modell auf den Gegenstand des Dokumentarfilms übertragen. Nun gilt es, auf die komplexen Beziehungen unter den narrativen Schichten „discours“, „histoire“ und „événement“ bzw. „acte“ durch drei weitere Bestimmungen zu stoßen, um folglich den Darstellungsstrategien und Gestaltungsmitteln der kommunikativen Schicht des Films näherzukommen. Die Analyse soll dabei vorwiegend den Blick auf und durch die Bilder hindurch und damit den Einfluss des performativen Aspekts des Erzählens auf den „discours“ als materielle Ausdruckssubstanz systematisch erfassen, darf aber die „histoire“ als Geschichte vor der Linse – die (potenziell) transmediale Tiefenstruktur – nicht aus den Augen verlieren. Durch eine Bestimmung der medienspezifischen Probleme auf der Ebene der Zeit, der Darstellungsweisen und der Kommunikationssituation soll der Film im literaturwissenschaftlichen Modell gespiegelt werden, um vor diesem Spiegel Merkmale des Gegenstandes deutlicher hervortreten zu lassen. Schließlich fällt der Untersuchungsbereich einer narrativen Analyse nach Genette auf die Wechselbeziehungen der narrativen Aussage, des narrativen Inhalts und des narrativen Akts. Die drei weiteren Untersuchungsinstrumentarien „Zeit“, „Modus“ und „Stimme“ entstehen folglich durch Relationen der Erzählebenen zueinander und können damit nicht unabhängig von diesen beschrieben werden.

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Erzählebenen in „Heroes“

Wie bereits angekündigt, werde ich mich in meiner Analyse hauptsächlich mit der Frage beschäftigen, ob und inwiefern die gemalten Bilder in der Serie „Heroes“ die Rolle eines unzuverlässigen Erzählers übernehmen.

In der Serie haben wir es (und nicht nur dadurch, dass einzelne Figuren durch die Zeit reisen können) mit vielen verschiedenen Erzählebenen zu tun. Diese können bei einer Analyse durchaus für Verwirrung sorgen. Daher will ich für den Anfang darstellen, auf welchen Ebenen ich die Serie und die Bilder in ihr analysieren werde. Hierfür scheinen mir die Begriffe aus Gèrard Genettes Erzähltheorie hilfreich. Genette nutzt sie, um zu beschreiben, wo der Erzähler der Handlung steht. Er unterscheidet drei Ebenen, die aufeinander aufbauen und so eine Hierarchie bilden:

  • Die extradiegetische Ebene
  • Die (intra-) diegetische Ebene
  • Die metadiegetische Ebene

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Das Salz der Erde: Entscheidungen über Entscheidungen

„Wenn ich von etwas begeistert bin und es teilen möchte […],
dann muss ich zuerst herausfinden, wie ich von der Sache,
die ich so toll finde, am besten erzählen kann.“
(Wenders 2014)

Nachdem ich bereits Fragen über Fragen zum Dokumentarfilm „Das Salz der Erde“ als Untersuchungsgegenstand einer narratologischen Medienanalyse gestellt habe, werden nun Entscheidungen über diese Fragen getroffen. In erster Linie sind dies Entscheidungen über die Entscheidung, den Dokumentarfilm als Kommunikationsmedium zu analysieren, dessen spezifische Eigenschaft in der Gestaltung und nicht etwa in dem Realitätsgehalt der Bilder zu suchen ist. Somit ist keine Beschreibung der Beziehung zwischen Film und Realität und der daraus folgenden Infragestellung der Objektivität Ziel dieser Analyse, sondern erklärende Ansätze, wie der Film eine gestaltete Umsetzung von Realität vermitteln kann. Folglich werden Narrativität und nicht-fiktionale Diskurse wie der Dokumentarfilm weder als antonyme noch synonyme Begriffe aufgefasst. Vielmehr wird der Film auf ein mögliches narratives Potenzial im Hinblick auf die Darstellungsstrategien und Gestaltungsmittel der kommunikativen Schicht untersucht. Dadurch wird der Dokumentarfilm als Darstellungs- und Vermittlungsform in Bezug auf das Phänomen Erzählen betrachtet – die Grundlagen und Funktionen des Erzählens hinsichtlich der Aneignung und Vermittlung von Realität. Ich entscheide mich damit für die Frage: Wie wirkt sich der Akt des Erzählens („événement“) auf die Erzählung („discours“) aus, wenn die Bilder des Filmes als Sprechakte betrachtet werden, die nicht nur durch ihre fotografische Qualität Realität abbilden, sondern zugleich über einen fremdbestimmten Blick auf diese Dinge durch eine Erzählinstanz (im Sinne einer Funktion) Realität vermitteln?

Die Spreu vom Weizen trennen
Die Spreu vom Weizen trennen

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