Intermedialität

Das Salz der Erde: Die Medialität und Subjektivität der Erzählung

Vom kleinen Salzkorn zum großem Ganzen

„Das Salz der Erde“ – ein Dokumentarfilm, der durch die Idee des Fotografen Sebastião Salgado entstanden ist, seine Fotografien anders als in einer konventionellen Ausstellung zusammen mit Wim Wenders und seinem Sohn zu präsentieren, um den Blick auf und durch die Geschichte vor der Linse zu rekonstruieren. „Das Salz der Erzählung“ – eine narratologische Medienanalyse, die durch den Wunsch entstanden ist, diesen Film zum Untersuchungsgegenstand zu machen, indem die potenzielle Erzählung des Films auf seine Salzkonzentration befragt wird. Die Analyse konzentrierte sich dabei vorwiegend auf diejenigen Instanzen, die für die Würze des Films verantwortlich sein könnten und ging folglich mit einer Synthese literaturwissenschaftlicher Erzähltheorien einher. So wurden nur diejenigen Salzkörner betrachtet, die den Film narrativ machen könnten, weil sie durch Erzählinstanzen vermittelt sind. Das Ziel dieser Kostproben bestand darin, medienkulturwissenschaftlich zu erklären, wie der Film einen Blick durch das Medium der Fotografie hindurch erzeugt, der den Rezipienten die Bilder als filmische Bilder im Bild und damit unauflöslich verbunden die Erzählung als filmische Erzählung von Erzählinstanzen betrachten lässt. Im Folgenden wird auf einen Blick dieser Blick in einem Fazit festgehalten. Continue reading

Dri Chinisin: Das Zwiebelmodell – Zuspitzung des Erzählbegriffs

Schon in meinem letzten Post habe ich eine Art Bestandsaufnahme vorgenommen, und die verschiedenen medienanalytischen Ansätze meiner Comicanalyse zusammengefasst. Inwiefern sich diese für die eingangs gestellte Frage: Nämlich, wie gestaltet sich die intermediale Übertragung der Erzählinstanz vom Medium Literatur ins Medium Comic? -heranziehen lassen, muss unterdessen noch geprüft werden. Für den Moment möchte ich es dabei belassen und verschiedene Erzählbegriffe auf ihre Anwendbarkeit im vorliegenden Comic untersuchen.

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Dri Chinisin: Bestandsaufnahme.

Im folgenden Post möchte ich meine bisherige Analyse rekapitulieren, indem ich mich bemühe, die verschiedenen Überlegungen im Hinblick auf die Fragestellung nach der Intermedialität einer Erzählinstanz einzuordnen. Ausgangspunkt meiner Medienanalyse war Irina Rajewskys Intermedialitäts-Begriff, vor dessen Hintergrund ich die bestehende intermediale Beziehung zwischen dem Ursprungsmedium der Erzählung und der Comicadaption herausstellen und den bestehenden Medienkontakt eindeutig verorten konnte.  Continue reading

Dri Chinisin: Perspektive und Instanzen.

In diesem Post möchte ich mit den Begrifflichkeiten der Erzähltheorie Genettes arbeiten, wobei ich in Bezug auf die Erzählinstanzen die Erweiterung von Markus Kuhn übernehme. Im Zuge dessen soll zunächst die Erzählsituation geklärt werden, woran sich, so hoffe ich, eine Annäherung an in vorherigen Posts aufgekommene Fragen anschließen kann.

Fokalisierung vs. Okularisierung.
Fokalisierung vs. Okularisierung.

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Her Morning Elegance : eine spielerisch leichte Medienkombination?

Das Musikvideo von Oren Lavie suggeriert eine gewisse Leichtigkeit. Die Protagonistin scheint über die Straße zu schweben, durch Wolken zu fliegen und im tiefsten Meer unterzutauchen. Durch den sanften Klang der Musik und die inszenierte und durchdachte Bildreihenfolge vermittelt das gesamte Musikvideo eine spielerisch leichte Atmosphäre. Diese entsteht vor allem durch das Zusammenwirken von Bild und Ton. Deshalb wird sich der folgende Beitrag mit der Kombination der verwendeten Medien beschäftigen. Gibt es auch hier eine fließende und leichte Kombination der verschiedenen Formen?

Hell - Dunkel: Eine klare Trennung zwischen Ton und Bild? Her Morning Elegance #1405: http://www.hmegallery.com/photos.php, Stand: 08.01.15
Hell – Dunkel: Eine klare Trennung zwischen Ton und Bild?
Her Morning Elegance #1405: http://www.hmegallery.com/photos.php, Stand: 08.01.15

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Dri Chinisin: Layout, Schrift und Bild.

In diesem Beitrag möchte ich mich um eine systematische Erfassung des mir vorliegenden Untersuchungsgegenstands bemühen, den ich bis auf weiteres eingegrenzt habe auf die Erzählung Ein Tag, der zuletzt doch nicht im Sande verlief. Im Fokus stehen das Layout und das medienspezifische Verhältnis von Schrift und Bild.  Continue reading

Dri Chinisin: Eine intermediale Erzählinstanz ?

Zwei Schritte zurück, einen Ausfalls Schritt nach vorne, komme ich nun zur Formulierung einer These bzw. Fragestellung, die meine Medienanalyse (hoffentlich) anleiten wird.

Inwiefern bildet in der grafischen Erzählung die durch die intermediale Übertragung weggefallene Erzählinstanz der literarischen Vorlage eine Leerstelle, bzw. gibt es Elemente der grafischen Darstellung, die eine gedachte narrative „Autorität“ implizieren – oder konstituiert sich die medienspezifische Erzählweise gerade durch diese Lücke und somit einer Verlagerung des „Expliziten“?

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Das Salz der Erde: Die Geschichte vor der Linse

Das Salz der Erde“ – so lautet der Titel des Dokumentarfilms über den Fotografen Sebastião Salgado von dessen Sohn und Wim Wenders. Angesichts der Motive des Fotografen verliert man aber schnell den Glauben daran, dass die Menschen das Salz der Erde seien. Auch Salgado selbst sei schier an der Menschheit verzweifelt, nachdem er Minenarbeiter in Südamerika, Hungernde in Äthiopien, Flüchtlinge in Ruanda und Jugoslawien begleitete und fotografierte. Das Bildwort scheint hingegen auf die analoge Fotografie zuzutreffen, bei der erst die Belichtung wild verstreuter Silbersalze ein Bild erzeugt. Als Verfechter der sozialkritischen Fotografie wendet sich Salgado auch jenen Salzkörnern zu, die nicht jeder auf dem Schirm hat. Aufgenommen in hochkontrastigem Schwarz-Weiß, ähnlich des Chiaroscuros, wirken Salgados Bilder dramatisch ästhetisch, was im Gegensatz zu deren Inhalt steht – Marshall McLuhans geflügeltes Wort (1), wonach das Medium die Botschaft sei, scheint aber noch nicht ausreichend, um dieses Phänomen zu beschreiben, denn gerade die Dissonanz zwischen abgelichteter Schönheit und beinhalteter Wahrheit macht die Fotografien sowohl einprägsam als auch einfühlsam – und gerade auf der Kinoleinwand wird deutlich, wie aus einem materiellen „picture“ dessen identifizierendes und zugleich transzendierendes „image“ (2) erscheinen kann: „Das Medium ist nicht einfach die Botschaft; vielmehr bewahrt sich an der Spur die Botschaft des Mediums.“ (3). So wurden die Bilder des Fotografen berühmter als sein eigener Name. Salgado porträtiert nicht nur die Menschheit, er schaut den Menschen ins Gesicht und findet erst dann deren Geschichte vor der Linse, wenn er sich über Wochen mit ihnen auseinandergesetzt hat. Aber was passiert, wenn man den Fotografen selbst filmisch porträtiert? Wie kann ein Medium dabei Strukturen aus einem anderen Medium aufgreifen?

Wirr verteilte Salzkörner – Schwarz-Weiß-Aufnahme der Goldschürfer (A) FOTO: SEBASTIAO SALGADO/AMAZONAS IMAGES
Wirr verteilte Salzkörner – Schwarz-Weiß-Aufnahme der Goldschürfer aus Serra Pelada (A) FOTO: SEBASTIAO SALGADO/AMAZONAS IMAGES

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