Kriegsfotografie

Kriegsfotografie: Der Krieg der Bilder #8

Abschließende Betrachtung

Anfangs wollte ich mit meiner Themenbetrachtung zur Kriegsfotografie eine Antwort auf die Frage finden, inwieweit unser Realitätsanspruch an Kriegsfotografie gerechtfertigt ist und ob diese Bilder und wirklich Geschichten näher bringen und uns informieren können. Im Laufe meiner Arbeit und meiner Beschäftigung mit dem Thema hat sich meine Fragestellung allerdings immer mehr zur These entwickelt, die ich zu verifizieren versucht habe. Einen anderen Schluss lässt meine Themenauswahl, die sich doch durchaus auf die negativen Aspekte der Wirklichkeitskonstruktion durch Fotografie beschränkt, nicht zu. Meine These lautet also: Wir als Betrachter müssen uns von dem Realitäts- und Aufklärungsanspruch an Kriegsfotografie los machen.

Einige Fragen, wie Welche ikonische Kraft haben Kriegsbilder? oder Wie wird die Entstehung der Bilder durch die Massenmedien beeinflusst? stehen zwar noch auf meinem Skript, sind von mir jedoch nicht genauer betrachtet worden. Gewiss, erstere Frage ließe sich mit „Eine große.“ beantworten und letztere habe ich in meinen Beiträgen immer mal wieder angedeutet. Auf diese Aspekte könnte jedoch genauer eingegangen werden…

Wo ich nun versuche mein Thema zu einem Ende zu bringen, bleiben zwei Personen übrig, die ich dafür zu Wort kommen lassen möchte. Die Lektüre des einen, Roland Barthes, hat einen wesentlichen Teil zu meinem Vorwärtskommen beigetragen. In „Der entgegenkommende und der stumpfe Sinn“ unternimmt Barthes eine Teilung der Photographie in zwei mögliche Zustände. Er unterscheidet die denotierte von der konnotierte Botschaft der Phohtographie. Die denotierte ist die Botschaft als solche und eine konnotirete, „die Weise, auf die eine Gesellschaft gewissermaßen zum Ausdruck bringt, was sie darüber denkt.“ (1)

Über die fotografische Botschaft der Presse sagt er: [Es] besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit […], daß (sic.) die fotografische Botschaft (zumindest die Botschaft der Presse) (…) konnotiert ist. Die Konnotation läßt (sic.) sich nicht unbedingt sofort auf der Ebene der Botschaft selbst erfassen (sie ist, wenn man so will, zugleich unsichtbar und aktiv, deutlich und implizit), aber man kann sie bereits aus gewissen Phönomenen ableiten, die auf der Ebene der Produktion und der Rezeption der Botschaft stattfinden: Zum einen ist die Pressefotografie ein ausgefeiltes, ausgewähltes, strukturiertes und konstruiertes Objekt, das nach professionellen, ästhetischen oder ideologischen Normen behandelt wird, die allesamt Konnotationsfaktoren sind; und zum anderen wird eben diese Fotografie nicht bloß wahrgenommen und rezipiert, sie wird gelesen, vom konsumierenden Publikum mehr oder weniger bewußt (sic.) mit einem überlieferten Zeichenvorrat in Zusammenhang gebracht.“ (2)

Diese Aussage spielt zum einen auf das kollektive Gedächtnis, sozusagen als den vorhandenen Zeichenvorat, an, auf das ich auch schon zu sprechen gekommen bin und kann zum anderen in Bezug gesetzt werden zu der Aussage von Susan Sontag, mit der ich meinen letzten Blogbeitrag abgeschlossen habe. Beide Aussagen sagen für mich im Grunde, dass es bei der Rezeption von Fotografie auf den Rezipienten ankommt.

Kommen wir zu der Frage, warum es vielleicht trotzdem wichtig ist, Kriegsfotografie entstehen zu lassen und zu veröffentlichen: Bilder vom Krieg „können denen, die keine eigenen Kriegserfahrungen haben, für eine gewisse Zeit etwas von der Wirklichkeit des Krieges vor Augen führen.“ Sie können uns, die wir keine Ahnung vom Krieg haben, da wir ihn noch nie erleben mussten, das Grauen, das Gemetzel und den damit verbundenen Tod, die Verzweiflung, die Trauer näher bringen. (3) Diese Bilder schockieren und uns berühren uns emotional. Doch Sontag ist der Meinung – und ich bin es auch – , dass „[q]uälende Fotos nicht unbedingt ihre Kraft zu schockieren [verlieren]. Aber wenn es darum geht, etwas zu begreifen, helfen sie kaum weiter. (4) Sie sind schlicht und einfach kein Ersatz für die Realität und das Verständnis, das mit echtem Erleben einher gehen würde. Dieses absolute, wirkliche Schrecken ist mit den Mitteln der Fotografie nicht zu fassen. Das liegt auch immer mehr daran, dass Krige heute aus großer Distanz, mehrheitlich aus der Luft, geführt werden. Welcher Soldat ist noch darauf angewiesen, seinem Gegener eine Lanze in den Oberkörper zu rammen und dessen warmes Blut zu fühlen? Solche Bilder sind heute nicht mehr zu schießen, weil es solche Situationen des Nahkampfs kaum noch gibt. Dafür gibt es Präzesionsgewehre und unbemannte Drohnen, die die Menschen töten. Zu dieser Distanz der Kriegsführung passt auf die Distanz, die auf den Fotos gewahrt wird und die angebliche „Grenze des guten Geschmacks“, die von den Medien bei der Veröffentlichung von Kriegsfotografie gewahrt wird. Wir sehen in den Zeitungen und in unseren News-Apps auf den Handys zwar Explosionen und Emotionen wie Trauer, Wut und Gewalt, jedoch keine Leichen und schon garkeine Leichenteile, Verstümmelungen und andere Gräueltaten. Einer, der doch versucht hat, den Krieg in all seiner Schrecklichkeit fotografisch festzuhalten, ist Christoph Bangert. Sein Fotoband „War Porn“ zeigt all das, was die Zeitungen sich zu zeigen geweitert haben. Er sieht es allerdings als seine Pflicht, den Krieg so zu zeigen, wie er ist: grausam. Als Motivation dafür nennt er die Geschichten seines Großvaters aus dem Zweiten Weltkrieg, die letztlich nur aus Pferden bestanden, die sein Großvater reiten durfte – nicht unbedingt alles, was ein Kind über den Krieg wissen sollte.

Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass Bilder vom Krieg in der Betrachtung außerhalb eines Kontextes, wie etwa einem erklärenden Text, nutzlos für das Verständnis von Krieg sind. Werden sie jedoch reflektiert betrachtet, so können sie einen Teil dazu beitragen, dass besonders den westlichen Welt das Leiden anderer näher gebracht wird und die unzähligen Opfer der vielen Kriege von uns nicht vergessen werden.

Abschließen kann ich an dieser Stelle wieder mit Sontag: „Man kann es für eine Pflicht halten, Fotos zu betrachten, auf denen Grausamkeiten und Verbrechen festgehalten sind. Man sollte es in jedem Falle für eine Pflicht halten, darüber nachzudenken, was es heißt, solche Bilder zu betrachten, und wie es um die Fähigkeit bestellt ist, sich das, was sie zeigen, tatsächlich anzueignen.“ (5)

 

(1) Barthes, Roland (2005): Kritische Essays- 3: Der entgegenkommende und der stumpfe Sinn. Frankfurt am Main: Suhrkamp, S. 13

(2) Ebd., S. 14 f.

(3) Sontag, Susan (2003): Das Leiden anderer betrachten. München, Wien: Hanser, S. 19

(4) Ebd., S. 104

(5) Ebd., S. 111

Kriegsfotografie: Der Krieg der Bilder #7

Heute möchte ich mich einigen Fragen zum Thema „Erzählen durch Bilder“ widmen. Zu Beginn sei gleich gesagt, dass ich durchaus denke, dass Bilder erzählen können – allerdings mit Einschränkungen. Deswegen möchte ich versuchen, die Fragen, wie Bilder erzählen und was sie erzählen, zu beantworten. Continue reading

Kriegsfotografie: Der Krieg der Bilder #6

Feuer, Rauch, Drama, Hass, angespannte Stimmung, symbolische Momente: Solche Dinge erregen bei den Lesern Aufmerksamkeit, verkaufen sich also gut und werden deshalb von den Bildagenturen gefordert. Doch was tun, wenn die perfekte Aufnahme gerade nicht zu haben ist? Neben der Inszenierung greifen einige Fotografen auch zur Manipulation, wie diese Bilder (1) zeigen:

rauch01
So sah das Foto vor der Bearbeitung aus.
rauch02
Hier das Ergebnis nach der Bildbearbeitung am Computer, das der Fotograf bei der Bildagentur Reuters einreichte.

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Kriegsfotografie: Der Krieg der Bilder #5

Die Wahrheit, so heißt es, ist das erste Opfer des Krieges. (1)

In meinem letzten Beitrag sollte begreiflich geworden sein, dass inszenierte Fotografien, die im Krieg entstehen, sowohl von der Person hinter der Kamera, also dem Fotografen, als auch der Person vor der Kamera, also Soldaten, Zivilbevölkerung, Aufständische etc., ausgehen kann. Oft sind diese inszenierten Bilder jedoch eine Interaktion zwischen Betrachter und Betrachtetem, wie dieses Video vom italienischen Fotografen Ruben Salvadori gezeigt hat. Ich bin durch einen Artikel in der FAZ, der bereits aus dem Jahr 2006 stammt, auf ein weiteres Foto gestoßen, anhand dessen ich meine Überlegung zur inszenierten Fotografie fortführen möchte:

Auf den ersten Blick ist nicht ersichtlich, dass dieses Bild inszeniert ist.  Bildquelle: islam-deutschland.info
Auf den ersten Blick ist nicht ersichtlich, dass dieses Bild inszeniert ist.
Bildquelle: islam-deutschland.info

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Kriegsfotografie: Der Krieg der Bilder #4

Palästinensischer Jugendlicher vor Straßenbarrikade
Fotocredit: Ruben Salvadori

Nachdem ich in meinen letzten Beiträgen stark auf die Wirklichkeitskonstruktion durch den Betrachter eingegangen bin, sollen nun die anderen beiden Parteien des Komplexes in den Mittelpunkt gerückt werden: Das sind vor allem die Produzenten dieser Bilder, also die Fotografen, aber auch die Abgebildeten, also die Zivilisten, Opfer, Soldaten etc. Deswegen steige ich heute mit folgender These ein: Fotojournalismus bildet nur selten eine bereits vorhandene Realität ab – vielmehr schafft er eine neue Realität, die ohne das Vorhandensein der Kamera so garnicht existieren würde. Kurz: Kriegsjournalismus inszeniert. Dabei spielen auch die von der Kamera abgebildeten Personen eine entscheidende Rolle.

Nun könnte man sich natürlich darüber streiten, ob diese These nicht zu generalisiert ist. Ja, sie pauschalisiert bestimmt, denn sie trifft nicht auf alle Kriegsfotografien zu und tut somit einigen Fotografen Unrecht. Je nachdem, wie man inszenierte Fotografie allerdings definiert, trifft sie auf erschreckend viele Bilder zu. Continue reading

Kriegsfotografie: Der Krieg der Bilder #3

Wirklichkeitskonstruktion durch Fotografie

 

„Noch niemals hat eine Zeit so gut über sich Bescheid gewußt (sic.), wenn Bescheid wissen heißt: ein Bild von den Dingen haben, das ihnen im Sinne der Photographie ähnlich ist.“ (1)

 

Dieser Ausspruch von Siegfried Kracauer ist knapp 40 Jahre alt und doch beschreibt er passend ein Phänomen aus unserer heutigen Zeit. In meinem letzten Beitrag habe ich mit der These gearbeitet, dass wir uns durch Bilder eine Wirklichkeit konstruieren, die es so garnicht geben muss, aus der wir aber ein visuelles Gedächtnis erschaffen, von dem wir denken, dass dessen Inhalte die Realität sind. Dieses virtuelle Gedächtnis umfasst etwa Urlaubsorte, an denen wir zwar nie gewesen sind, von denen wir allerdings so viele Bilder gesehen haben, dass wir uns an sie „erinnern“ und zu wissen meinen, wie es sich anfühlen muss, dort Urlaub zu machen. Ebenso verhält es sich mit dem perfekten Kuss: Eine 13-Jährige hat so viele perfekte Filmküsse gesehen, dass sie zu wissen meint, wie so ein Kuss funktioniert und wie er sich anzufühlen hat. Mir ergeht es mit dem Tatort so: Ich habe noch nie eine Pistole in der Hand gehalten und doch schon so viele Schauspieler schießen gesehen, dass ich meine, zu wissen, wie das Schießen sein muss. Und nicht zuletzt hat uns die Modebranche durch ihre Werbekampagnen mit den vielen Modelfotos eine Norm vorgeschrieben, was heutzutage als hübsch gilt. Auch diese Fotos nehmen wir mehrheitlich so hin, ohne sie zu hinterfragen. Dabei wurde beim Meer-mit-Palmen-Bild vielleicht etwas an der Farbe gedreht, der Filmkuss 100 Mal geprobt, beim Schießen im Tatort wird der Rückprall weggelassen und der Ton etwas runtergedreht und beim Model etwas an der Hüfte retuschiert.

Auf was ich mit diesen vielen Beispielen hinaus möchte, ist folgendes: Tagtäglich ersetzten wir die Wirklichkeit durch eine Parallelwelt, die wir uns durch die Flut an Bildern aufbauen und ausschmücken. Die Bilder dienen dabei als Realitätsersatz und „Fotografie und Wirklichkeit bedingen sich wechselseitig. Die Wirklichkeit wird in eine fotografische ‚Bilderwelt‘ überführt, die aber stets auf sie zurückwirkt und Einfluss darauf nimmt, was überhaupt als ‚wirklich‘ zu gelten hat.“ (2) Problem hierbei ist vor allem, dass die tägliche Ration an Bildern uns die Sicht auf die Wirklichkeit verstellt, die sie angeblich zur Anschauung bringt. Die Bilderflut ersetzt Teile unseres Gedächtnisses und löscht andere, lässt uns also die Erfahrung der „wirklichen“ Wirklichkeit nicht erfahren. Dieses technisch verfasste Gedächtnis begründet sich nicht mehr auf der persönlichen Erfahrung des einzelnen. Unsere Erfahrung ist die Kamera. Und wir nehmen die Welt so hin, wie die Kamera sie uns präsentiert. Unsere persönlichen Erfahrungen werden weniger, destom mehr der Konsum der Bilder zunimmt, denn dadurch, dass wir von allem über Bilder verfügen, verspüren wir weniger den Drang, die Dinge mit eigenen Augen zu sehen – wir kennen sie ja schon. Es ist paradox: Die Wirklichkeit wird uns durch Fotografie irgendwie näher gebracht und doch entziehen wir ihr unsere Aufmerksamkeit. Die Realität nutzt sich ab.

Wen treffen sie denn noch emotional, die Bilder aus Syrien, Afghanistan, Parkistan, aus dem Iran, Irak,…? Sind sie nicht austauschbar geworden? Haben wir sie nicht schon viel zu oft gesehen? Wissen wir nicht mittlerweile, wie es in einem Krieg zugeht, wie groß das Leid dort ist? Nein, wir wissen es nicht. In diesem Land hatte unsere Generation das große Glück, noch keinen Krieg erleben zu müssen, und dieses Nicht-Wissen kann durch keine Bilderflut ersetzt werden. Vilém Flusser hält es treffend fest: „Jeder glaubt, es sei unnötig, Fotos entziffern zu müssen, da jeder zu wissen meint, wie Fotos gemacht werden und was sie bedeuten.“ (3)

Dieses Phänomen lässt sich unter anderem so erklären, dass die Fotografie in die Substanz des Wirklichen eindringt, ein Teil bzw. eine Spur des Gegenstandes darstellt, und die Wirklichkeit deshalb ganz anders umzuformen vermag als ein Gemälde (4). Dennoch sollte man nicht vergessen, dass im Grunde genommen jede Fotografie ein Stück weit die Wirklichkeit verändert. Unsere Welt ist dreidimensional, wir auf einer Fotografie allerdings nur zweidimensional dargestellt. Unter diesem Gesichtspunkt hat auch jede dokumentarische Aufnahme, also auch jede Kriegsfotografie, Anteil am Repertoire der Inszenierung. Auf diesen Aspekt der Wirklichkeitskonstruktion (gewissermaßen durch den Fotografen vor bzw. während der Aufnahme eines Bildes und nicht erst im Nachhinein bei der Rezeption durch den Betrachter) werde ich in meinem nächsten Beitrag genauer eingehen, wenn es um inszenierte Kriegsfotografie geht.

 

(1) Geimer, Peter (2009): Theorien der Fotografie zur Einführung. Hamburg: Junius, aus: Kracauer, Siegfried (1977): Die Photographie, in: ders., Das Ornament der Masse. Essays, Frankfurt am Main, S. 21-39

(2) Geimer, Peter (2009): Theorien der Fotografie zur Einführung. Hamburg: Junius, S. 157

(3) Geimer, Peter (2009): Theorien der Fotografie zur Einführung. Hamburg: Junius, aus: Flusser, Vilém (1983): Für eine Philosophie der Fotografie. Göttingen, S. 163

(4) Vgl. Geimer, Peter (2009): Theorien der Fotografie zur Einführung. Hamburg: Junius, S. 157

(5) Vgl. Geimer, Peter (2009): Theorien der Fotografie zur Einführung. Hamburg: Junius, S. 201

Kriegsfotografie: Der Krieg der Bilder #2

Ein Soldat, der bedroht wird? Ein Soldat, dem geholfen wird? Ob Folterszene oder Geste der Menschlichkeit: Der Bildausschnitt ist entscheident.
Ein Soldat, der bedroht wird? Ein Soldat, dem geholfen wird? Ob Folterszene oder Geste der Menschlichkeit: Der Bildausschnitt ist entscheident.

Fotografie als objektive Abbildung oder manipulierte Interpretation der Wirklichkeit?

Um über Fotografie im Krieg sprechen, diese Bilder analysieren und sich schließlich ein Urteil darüber bilden zu können, erscheint es mir wichtig, zuallererst die Fotografie als solches zu behandeln. Hat sie bestimmte Eigenarten, die kein anderes Medium aufzuweisen hat? Kann man ihr „Wesen“ beschreiben? Bevor ich versuchen werde, diese Fragen zu beantworten, möchte ich hervorheben, dass es eine Vielzahl an bedeutenden, prägenden Texten gibt, auf die man in diesem Zusammenhang stößt. Große Wissenschaftler und Philosophen wie Walter Benjamin, Roland Barthes, Siegfried Kracauer, Susan Sontag oder Vilém Flusser, um nur einige zu nennen, haben vielzitierte Schriften zu diesem Thema veröffentlicht. Sie alle zu lesen und mit meinem Thema in Verbindung zu bringen, wäre bestimmt wünschenswert, ginge jedoch über meine momentane Zeitkapazität hinaus. Auf den ein oder anderen Text werde ich bestimmt bei meiner weiteren Analyse zu sprechen kommen, für diesen Beitrag habe ich mich jedoch auf das Buch „Theorien der Fotografie zur Einführung“ von Peter Geimer beschränkt. Das Werk gibt einen guten Überblick über geführte Diskurse und abweichende Meinungen. Mit ihm als Grundlage möchte ich meine Überlegungen zur Fotografie hier teilen. Was macht diese Kunst aus? Und entstehen aus diesen Eigenschaften vielleicht Probleme für die Rezeption?

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Kriegsfotografie: Der Krieg der Bilder #1

Ein irakischer und zwei amerikanische Soldaten im Irakkrieg 2003
Ein irakischer und zwei amerikanische Soldaten im Irakkrieg 2003

Nicht umsonst gibt es das Sprichwort „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.“ Bilder lösen Emotionen aus, sie prägen sich leicht ein und sind schwer zu vergessen. Im Gegensatz zu einem Text, den wir aufhören zu lesen, wenn uns das darin Beschriebene emotional zu nahe geht, ängstigt oder ekelt, fällt es uns bei Bildern schwerer, den Blick abzuwenden.

Dass Bilder Macht besitzen – dieser Tatsache waren sich die Leute schon früh bewusst. Als es die Fotografie noch nicht gab, setzten Herrscher deswegen Gemälde ein, um sich dem Volk in einem bestimmten Licht zu präsentieren und sich in gewisser Weise unsterblich zu machen. Mit der Erfindung der Fotografie wurden wichtige Ereignisse für die Nachwelt schneller dokumentierbar.  Zu diesen wichtigen Ereignissen gehören auch Kriege.

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