Medienanalyse

Bilder-Verschwörung? Zur Authentizität von Pressefotos

In den bisherigen Beiträgen habe ich unter anderem versucht, herauszuarbeiten, ob mein Untersuchungsgegenstand, das Golfplatz-Grenzzaun-Foto (1), ein authentisches Pressefoto ist. Die im Zuge dieser Analyse herausgearbeiteten Kriterien für authentische journalistische Bilder wende ich im heutigen Beitrag auf aktuell kontrovers diskutierte Beispiele an. Die zu untersuchenden Fotos stehen im Kontext des Pariser Trauermarsches vom 11.01.2015 und zeigen Staats- und Regierungschefs, die gemeinsam gegen den Terrorismus und den Angriff auf die Freiheit Einigkeit bezeugen. Zur Botschaft des Bildes später mehr.

Für meine heutige Analyse habe ich vier Fotos ausgewählt: Zuerst ein kurzer Blick auf ein Foto, welches von einer ultraordthodox-jüdischen Zeitung veröffentlicht wurde. Hier der Link zum von Merkur online veröffentlichten Bild (2). Wir sehen dort Staats- und Regierungschefs beim Trauermarsch – jedoch keine Frauen. Angela Merkel und alle anderen weiblichen Personen wurden wegretuschiert. Hier handelt es sich zweifelsohne um ein manipuliertes Bild. Dass hier ein Fake vorliegt, ist eindeutig.

Doch wie sieht es mit den diesem Fake zugrundeliegenden „Originalfotos“ aus?

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„Wo? Wo?“ – Chatman bei Asterix

Draufhauen, was das Zeug hält. Das ist eine der Lieblingsbeschäftigungen der Gallier, wenn sie sich wieder einmal gegen die Feinde zur Wehr setzen müssen. Besonders Obelix scheint daran großen Gefallen zu finden. So kommt es, dass Panels wie dieses aus Asterix bei den Olympischen Spielen keine Seltenheit in den Comics darstellen. Jedoch funktioniert ein solches Bild nicht von alleine. Erst der Rahmen der Handlung, des Comics und dessen Regeln lassen den Betrachter den Inhalt verstehen. Was hier bilderzählerisch geschieht, möchte ich im Folgenden kurz zu erläutern versuchen.

Asterix und Obelix sitzen rudernd nebeneinander, als Asterix eine Piratengaleere entdeckt.
„Eine Piratengaleere!“ „Wo? Wo?“ – Ohne das Bild fehlen wichtige Bestandteile einer Szene im Comic.

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Black Hole #1: Liebe in Zeiten der Löcher – Charles Burns Comic „Black Hole“

250px-Blackholecover Beschreibung des Comicverlages Reprodukt

Der zugrunde liegende Band des Pantheon-Verlages fasst die zwischen 1995 und 2005 erschienenen 12 Teile der Comicserie „Black Holes“ zu einem zusammen. Jedoch wurden dabei einzelne Seiten nicht mitaufgenommen, was teilweise zu harter Kritik führte. Die Einzelbände sind jedoch nur noch in geringer Auflage erhältlich, weswegen sich die Medienanalysen immer auf die oben genannte, englische Ausgabe beziehen werden.

Innerhalb einer Gruppe von Jugendlichen im vorörtlichen Seattle der Siebziger bricht eine rätselhafte Seuche aus, übertragen durch sexuelle Handlungen. Die Symptome sind teilweise groteske körperliche Deformationen bis hin zur Unkenntlichkeit des Infizierten. Wider klassische Erzähltraditionen im Sinne Lyotards Kritik an den „Grand Récits“ der Moderne handelt die Erzählung nun aber nicht etwa von dem Kampf gegen die Seuche oder von dessen Behandlung. Die Erkrankten werden sozial und räumlich zunehmend ausgegrenzt. Aus der Sicht der vier Jugendlichen Chris, Rob, Keith und Eliza wird man so Zeuge eines Soges aus Entfremdung, Verwilderung und kafkaesk-surrealen Szenerien.

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„Die spinnen, die Römer!“

„Wir befinden uns im Jahre 50 v. Chr. Ganz Gallien ist von den Römern besetzt… Ganz Gallien? Nein! Ein von unbeugsamen Galliern bevölkertes Dorf hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten. Und das Leben ist nicht leicht für die römischen Legionäre, die als Besatzung in den befestigten Lagern Babaorum, Aquarium, Laudanum und Kleinbonum liegen…“ (Goscinny, Uderzo 1995, 3).

Der Charakter Asterix liegt entspannt auf der Seite.
Der unbeugsame Gallier, Asterix.

… und damit ist bereits ganz grob umrissen, worum es in den Asterix-Comics geht. Caesar und seine Legionäre beißen sich an einem kleinen, scheinbar harmlosen Dorf wiederholt die Zähne aus, denn die Gallier verfügen über einen Zaubertrank, der ihnen unglaubliche Kräfte verleiht, mit denen sie sich tatkräftig zur Wehr setzen. Doch auch sie müssen sich mit den täglichen Überraschungen des Lebens auseinandersetzen und so manches Mal wird es dadurch mit der Rettung ganz schön knapp… Continue reading

Das Salz der Erde: Fragen über Fragen

Im Beitrag „Das Salz der Erzählung: Die Geschichte vor der Linse.“ habe ich bereits erste Gedanken und Fragen zum Dokumentarfilm „Das Salz der Erde“ formuliert. Vor allem die Frage danach, wer nun eigentlich die Geschichte vor der Linse haben könnte, hat sich mir zunächst durch weitere Fragen beantwortet, die ich im Folgenden darzulegen versuche, um davon ausgehend den Film zum Untersuchungsgegenstand einer narratologischen Medienanalyse zu machen. Zunächst aber möchte ich Wim Wenders, der den Film produziert hat, durch das folgende Video (zumindest bis ca. 03:45) zu Wort kommen lassen:

Was sagt Wim Wenders dazu?

„Man is the storytelling animal“ – die funktionelle Bedeutung des Erzählens als Mittel der Welterfahrung? Eine Geschichte also auch in einem Dokumentarfilm erzählen? Der Dokumentarfilmer dabei als „Weltgewissen“? Der Dokumentarfilm somit als eine Abbildung von Realität? Schließlich ist die dokumentarische Darstellung medial konstruiert und unterliegt folglich nicht nur den technischen Möglichkeiten und strukturellen Bedingungen des jeweiligen Mediums, sondern auch den Bedingungen menschlichen Mitteilens überhaupt. Die Darstellbarkeit von Realität verknüpft sich somit an die Fähigkeit des Erzählens. Wenn also Dokumentarfilme von einer Wirklichkeit erzählen, stellt sich die Frage nach der Stimme – dem Erzähler. Was passiert somit, wenn man die Bilder als Sprechakte betrachtet, die durch ihre fotografische Qualität nicht nur Dinge zeigen, sondern zugleich einem fremdbestimmten Blick auf die Dinge durch eine vermittelnde Erzählinstanz unterworfen sind? Wie zuverlässig kann diese sein? Welche Wahrheit behauptet der Film folglich zu sein, zu sagen und zu zeigen? Inwiefern wird die Authentizität des Filmes durch die Wahrheit des Inhalts und die Wahrhaftigkeit der Darstellung beeinflusst? Wenn der Film erzählt, wie erzählt er dann? Worin könnte das narrative (transmediale) Potenzial des Filmes liegen? Was also könnte das „Salz der Erzählung“ des Filmes sein?

Fragen über Fragen

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