Raum

Schlacht am Ulai-Fluss – Aufteilung in Bildgruppen: Gruppen 1-6

UlaiÜbersichtGruppe1
Gruppe 1

 

Gruppe 1: Die kaum erhaltenen Standlinien 1 bis 3. Die erkennbaren Teile zeigen Figuren der selben Größe, die Standlinien sind ebenfalls von links bis rechts einheitlich. Diese Bereiche sollen aufgrund der schlechten Erhaltung für die weitere Betrachtung unerheblich bleiben. Zu erwähnen ist lediglich die klare graphiscshe Trennung von den anderen Bildgruppen durch eine dichte Drängung der Figuren, weniger Dynamik – viele Figuren ähneln einander sehr, sind wie gestaffelt. Es ist eine einheitliche Blickrichtung zu beobachten. Inhaltlich wird hier ein typischer Gefangenenzug gezeigt; es gibt keine Hinweise auf einen Handlungsort im Freien (Bäume, Gestrüpp, Hügel). Gruppe 1 stellt höchstwahrscheinlich eine zeitlich nachfolgende Rahmenhandlung zum dynamischen Zentrum des Reliefs dar.

 

UlaiÜbersichtGruppe2
Gruppe 2

Gruppe 2: Am linken Reliefrand zeigt sich eine Ballung von Figuren einheitlicher Blickrichtung und Größe. Durch eine gebogene Linie wird der Bereich zudem graphisch separiert. Die Figuren bewegen sich endlang dieser Linie, welche inhaltlich wohl einen Hügel darstellen soll, den die Assyrer fliehende Elamer hinuntertreiben.  Die Figuren sind kleiner als in den zentralen Gruppen mit ebenen Standlinien. Einige Figuren befinden sich nicht auf dUlaiDetailSchwebendeToteer Hügelstandlinie, sondern auf seiner Seite. Graphisch bedeutet dies, dass sie sich innerhalb des durch die Hügellinie begrenzten Bereiches befinden. Der Raum des Hügels ist hier auffallend inhomogen mit dem zentralen Bild. Andere Figurengrößen zeigen möglicherweise eine andere Distanz oder zeitlichkeit, ebenso auffallend ist jedoch der Bereich zwischen Panel 8 (Gruppe 2) und Panel 13 (Gruppe 5) , in welchem Tote aus Panel 13 die Figuren aus Panel 8 fast so berühren, als schwebten sie neben ihnen.

 

 

UlaiÜbersichtGruppe3
Gruppe 3

 

 

Gruppe 3: Der untere Reliefrand ist durch eine eigene Standlinie markiert. Es gibt eine einheitliche Blickrichtung der assyrischen Protagonisten, denen sich nur vereinzelt ein Elamer in den Weg stellt. Die Figuren haben nahezu alle eine einheitliche Größe. Gruppe 3 durchzieht das Relief fast in seiner gesamter erhaltenen Breite. Über Panel 43 verschwimmt die Begrunzung der Gruppe durch die Auflösung der Standlinie darüberliegender Gruppen; dies findet bei allen Gruppen mit Kontakt zu Gruppe 4, dem rechten Bildrand, statt. UlaiÜbersichtGruppe2und3
Interessant ist auch die Überlappung zu Gruppe 2 – einige Figuren der Größe der Gruppe 2 sowie im Bereich des Hügels gehören zu Handlungen der Standlinie der Gruppe 3 und gehen in ihre Handlungen über; dabei an Größe zunehmend. Sind Pferd und Männer des Panels 11 (Gruppe 2) noch sehr klein, gehen sie doch direkt in Panel 32 (Gruppe 3) über, das nahezu doppelt so hohe Figuren zeigt.

 

UlaiÜbersichtGruppe4
Gruppe 4

 

 

 

Gruppe 4: Der rechte Reliefrand ist klar graphisch getrennt vom restlichen Bild; wie am linken Rand durch Gruppe 2 wird hier Geländegraphisch leicht schräg von oben links nach unten rechts markiert. In diesem Fall handelt es sich um den flächig dargestellten titelgebenden Ulaifluss. Gruppe 4 wird von allen von links kommenden Gruppen überlappt; es wird der Eindruck einer fließenden Handlung vermittelt, die nicht abrupt an einem Rand aufhört – es gibt keine Panelgrenze, Standlinie oder

Auflösung der Gruppengrenzen hin zu Gruppe 4

klare Hügellinie wie in Gruppe 2, auf welcher Figuren in einem scheinbar abgetrennten Raumkontext handeln und nicht in einen solchen mit den handelnden Figuren anderer Gruppen gehören (vergleiche Panel 8 und 13), sondern einen fließenden Übergang, in welchem Figuren aus angrenzenden Gruppen ohne graphische Segregation der Handlungen Elamer in den Fluss treiben. Das Ufer des Flusses ist hier eine „sanfte“ Grenze. Zugleich werden auch alle Grenzen der berührenden Gruppen untereinander im Bereich des Ufers aufgelöst. Dies bettet die verschiedenen Gruppen und ihre Handlungen trotz ihrer graphischen Trennung zueinander – soll diese Zeitlichkeit oder Fokus betonen – wieder in den Gesamtkontext ein.

 

 

UlaiÜbersichtGruppe5und6
Gruppen 5 und 6

Gruppen 5 und 6: Gruppe 5 wird durch die oberste innere Standlinie (4) gebildet. Die Blickrichtung aller Assyrer verläuft in Gruppe 5 entgegen der üblichen Leserichtung zum linken Reliefrand hin. Eine Gruppe aus drei Elamern in einem Zelt in Panel 14 wiederum blickt nach rechts, was sonst nicht vorkommt. Zu dieser geänderten Blickrichtung kommt die erste Beischrift. Die Figuren der Gruppe 5 sind in geordneten Standardposen entlang der Standlinie aufgereiht.
Weiteren Beiträgen vorweggreifend, sei hier der Beitext von Panel 13 übersetzt:

SWB 1:
„Kopf des Teumman, des Königs von Elam, welchen im Ansturme der Schlacht ein ein gemeiner Soldat meiner Truppe [abgehauen hatte]. Als Freudenbotschaft brachten sie ihn eiligst nach Assyrien.“

Der Beischrift folgend, erkennen wir, dass die Handlung dieser Gruppe zeitlich nach der weiteren inneren Handlung um den Tod Teummans folgt. Der Enthauptete am Boden vor dem Zelt in Panel 13 muss Teumman selbst sein.

Hinter den nach links ziehenden Assyrern türmen sich Leichenberge auf. Diese markieren den Bruch hin zu Gruppe 6, durch welchen zudem die Standlinie aufgelöst wird. Die Blickrichtung der Figuren ändert sich, Gelände wird markiert durch allerlei Buschwerk, es fliegt sogar ein Wagenrad durch die Luft. Keine Explosionen ohne fliegende Räder und Reifen, das wussten schon die alten Assyrer! Es ist ein starker Gegensatz zu Gruppe 5 erkennbar. Gruppe 6 läutet die dynamischen Handlungsgruppen 7 und 8 ein, welche im nächsten Beitrag besprochen werden sollen. Unter Betrachtung der Beischrift aus Panel 13 lässt sich der Leichenberg als „Rückblende“ verstehen, in welchem das Bild des Leichenberges fließend in das Schlachtengetümmel übergeht, in welchem er geschaffen wurde und inmitten dessen die restliche Handlung stattfinden soll.

 

 

In diesem Beitrag wurden vor allem die drei Rahmengruppen 2, 3 und 4 untersucht. Sie alle gehen jeweils ineinander über – 2 in 3, 3 in 4. Gerade 2 ist von den übrigen zentralen Gruppen abgegrenzt. In den Gruppen 2 bis 4 finden sich keine Beischriften. Gruppe 2 ist der üblichen Leserichtung nach zuerst zu betrachten. Da sie nahtlos in Gruppe 3 übergeht, wir der lesegeübte Betrachter wohl als nächstes den Blick entlang des unteren Bildrandes laufen lassen, um anschließend zu Gruppe 4 zu gelangen und in die inneren Gruppen eingeladen zu werden.
Dies muss zwar nicht zuerst geschehen, spricht aber doch für eine Einheit der „Randgruppen“ gegenüber den zentralen Gruppen. Diese Gruppen sind nicht mit Beischriften zu verstehen. Sie zeigen einmal den Beginn der Schlacht als solcher durch die den Hügel hinabpreschenden Assyrerhorden sowie den Untergang der Elamer durch das Ende im Fluss zwischen Krabben und Fischen. Damit bilden sie eine wörtliche Rahmenhandlung, inmitten derer sich die Handlung der inneren Gruppen abspielt. Sie zeigen den zeitlichen Rahmen – Beginn und Ende der Schlacht – sowie den räumlichen Rahmen zugleich auf.